❧  textanfall

Weinselig in KW

Es wird wärmer und die Zeit der Umlandausflüge ist da. Königs Wusterhausen (vulgo “KW”) liegt grade noch innerhalb des S-Bahn-Rings (Endstation der S 46), es ist ein ganz ansehnliches Örtchen, man kann in der Gegend schön spazieren, sich ein Schloss und ein Radiomuseum ansehen, im Herbst gibts rundum Pilze und im Sommer die Tonseen zum Baden. Ein lohnendes Ausflugsziel also. Aber Königs Wusterhausen weckt nicht grade hohe Erwartungen hinsichtlich kulinarischer Genüsse: Schon der S-Bahn-Vorplatz empfängt einen mit einer grässlichen Imbissbude (samt jungen männlichen Tarnfleck-Trägern). Doch dann kam’s bei unserer letzten Umland-Exkursion ganz anders…

In der Fußgängerzone, als wir noch zwischen Griechenimbiss und Minipizza schwankten, lockte uns ein Aufsteller durch ein Hoftor und in den “Weinladen am Kanal”. Anders als der Name suggeriert, geht’s dort nicht vorrangig um den Handel mit geschlossenen Bouteillen, sondern um den Ausschank. Der Weinladen ist in Wirklichkeit eine Weinbar! Und zwar eine recht nette. Hätten wir so nicht erwartet.

Sehr schön sitzt man da auf einer Terasse, unter Bäumen und direkt über dem Flüßchen Notte. Innendrin ist der “Weinladen” eher bodenständig als elegant – das aber auf angenehme Art: Ziegelwände und viele Meter Eisenregal mit vielen Pullen drin. Insgesamt wirkte der Raum leicht unrenoviert, aber nach dem zweiten Glas macht das eigentlich auch nichts mehr. In unseren Jeans und Outdoorjacken waren wir jedenfalls nicht allzu deutlich underdressed. Ein wenig Kunst hängt auch da, die Ausstellungen sollen wechseln. Im Winter kann man auch am offenen Kamin sitzen. Stell ich mir gut vor.

Neben dem Wein gibt es kleine kalte Speisen, vorwiegend einschlägige Mittelmeer-Leckereien. Toll fand ich, das fast alle (!) der 60 Weine glasweise zu haben sind. Nett waren auch die Wirtsleute. Sie beraten ohne Blasiertheit, aber fachkundig. Die Preise waren angenehm moderat. Gestört hat mich eigentlich nur die sehr dämmerig-romantische Beleuchtung. Ich fühlte mich gegen Ende des Abends zunehmend schläfrig – oder lag das doch am Wein und dem zuvor absolvierten Spaziergehprogramm? Gut jedenfalls, dass es dann nur 5 Minuten bis zum S-Bahnhof waren. Wir sind mit der vorletzten Bahn wieder nach Berlin gezuckelt.

Fester Vorsatz: Ich komm wieder! Spätestens im Herbst.

Weinladen am Kanal
Bahnhofstraße 24 (im Hof)
15711 Königs Wusterhausen
Geöffnet Montag – Sonntag 18:00 – 24:00
Lageplan bei Google Maps.

PS: Es heißt tatsächlich Königs Wusterhausen. Und nicht Königs-Wusterhausen. Ich schreib doch keine Deppenleerzeichen!

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