❧  textanfall

Byrons Eßstörungen und Whitmans Austernfrühstück

Schreiben ist körperlich nicht so fordernd wie die Arbeit in Bergwerken oder auf seegehenden Schiffen. Doch bestimmte Körperpraxen befördern das Denken und Schreiben: Es ist von vielen Schriftstellern bekannt, dass sie eigene Rituale und Regeln für Speise, Schlaf und sozialen Umgang haben, um überhaupt schreiben zu können. Askese gehört oft dazu. Es scheint, dass es sich leicht hungrig, leicht müde oder leicht frierend besser schreibt als wenn alle körperlichen Bedürfnisse gestillt sind. Die Illustratorin Wendy MacNaughton hat recherchiert und aufgezeichnet, was berühmte Schriftsteller bei der Arbeit so aßen und essen. Im NYTimes-Blog kann mans nachlesen. Interessant! Tief im Schreibprozess steckend verlangt der Körper oft ganz besondere Speise. Essen, das wenig ablenkt (langwierige Zubereitung ist zu vermeiden, außer man lässt kochen); immer gleiches Essen, dessen Verzehr ritualhaft wirkt (um sich in Schreiblaune zu bringen); Essen, das den Organismus nicht belastet (Plenus venter non studet libenter  ← humanistische Bildung vortäuschen mit Google); Essen, dessen Verzehr motorisch herausfordernd ist, um überschüssige Energie abzubauen (nag, nag, nag).

PS: Was esst ihr so, wenn ihr bis zum Kragen in konzentrierter Schreib(tisch)arbeit stecktt?

13 comments
  1. Daniela says: 3. August 201114:38

    Ganz einfach: Schokolade ;-)

  2. Sibylle says: 3. August 201114:51

    Hahaha, das ist wirklich einfach.

  3. Monika says: 3. August 201115:48

    Ich kann grad nicht, muss mir schnell einen Tee machen. Und Schokolade holen.

  4. Sibylle says: 3. August 201117:47

    :-)

  5. Fr. Wieczorek says: 4. August 201107:34

    Obwohl das Schreiben keine körperlich fordernde Tätigkeit ist, kann es einen doch sehr auslaugen und ermüden.

    Diese seltsamen Anwandlungen beim Essen kenne ich auch: Eine bestimmte Sache, die irgendwo eine gewisse Befriedigung bringt, nicht ablenkt und schnell zubereitet ist.

  6. Barbara says: 4. August 201109:08

    Espresso Macchiato. Schokolade. Espresso. Espresso…bin da ganz bei Proust und Kafka gemixt sozusagen :-D.

  7. Sibylle says: 4. August 201109:27

    Espresso Macchiato = Kafka + Proust gemischt. Das ist schön. Komisch, Schokolade ess ich beim Schreiben fast nie.

  8. Julia says: 4. August 201119:12

    Wenn ich texte*, esse ich meistens nichts, was den Vorteil hat, dass ich zwischendurch aufhören kann, weil ich ja was essen muss.

    Wenn ich schreibe**, ess ich zurzeit am liebsten Scones und trinke dazu einen monstergroßen Becher Milchkaffee in einem Café, das ich sehr mag. Meine Caféloyalität wechselt aber, sodass ich alle paar Wochen/Monate etwas andere Essgewohnheiten habe.

    * Texten: Texte für Kunden schreiben, damit die wiederum ihren Kunden Zeugs andrehen können.
    ** Schreiben: Meine eigenen Texte, nicht dazu gedacht, irgendwem irgendwas anzudrehen.

  9. Sibylle says: 4. August 201119:19

    Haha, subtile Unterscheidung. Ich wusste gar nicht, dass du Scones magst. Dass musst du mir mal zeigen, wo es die gibt.

  10. Poliander says: 5. August 201114:10

    Bis zum Kragen? Dann trinke ich nur: Tee, Wasser mit oder ohne Ingwer, Kaffee. Und in Pausen wird frugal gegessen, sonst werde ich müde, und vielleicht ein paar Mandeln, so 3 bis 7.

  11. Sibylle says: 5. August 201114:16

    Ja, frugal scheint arbeitsbefördernd zu wirken.

  12. Onno says: 5. August 201123:21

    Lecker Kommentare! :-)
    Espresso liebe ich ja sehr. Wenn, dann soll er aber im Mittelpunkt stehen, sonst ist der Genuß zu flüchtig. Somit fallen alle heißen Getränke beim Schreiben in die sekundäre Schublade. Da ich wahrheitsliebend und eh nur abends zum Schreiben komme, darf es dann gern ein staubiger Wein sein.

  13. Sibylle says: 6. August 201109:09

    Wahrheitsliebend – wegen in vino veritas?
    Ja, Espresso ist toll. Wenn er gut ist. Man kann ihn ja auch vorher zu sich nehmen. Während der Rechner hochfährt.

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