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Richtiger und schöner tippen (1)

Schriftgestaltung steht nicht nur im Dienst der Ästhetik, sondern sorgt idealerweise auch dafür, dass der Sinn des Geschriebenen schnell erfasst werden kann. Im Zeitalter der flächendeckenden Versorgung mit Personal Computern ist angenehme Schriftgestaltung keine Schwierigkeit mehr. Die exakte Interpunktion ist jedoch ein Stiefkind. Zeichensetzung ist zwar auch eine Frage der Schriftgestaltung. Doch der Duden legt fest, welche Anführungszeichen, Gedankenstriche und Leerzeichen korrekt sind. Nur hält sich kaum jemand daran – für diese Zeichen fehlen auf dem Keyboard die Tasten. Lesen Sie hier, wann Sie welches Zeichen brauchen und wie Sie bei der Arbeit mit Word, Open Office & Co. auch selten gebrauchte Zeichen zielsicher in Ihren Text einfügen.

Tipp-Schnitzer aus Tradition

Früher, noch so vor 20, 25 Jahren, war die Schreibmaschine das bevorzugte Schriftproduktionswerkzeug für Beamte und Dichter, Bürokräfte und Romanautoren. Schreibmaschinentexte hatten eine eigene, raue Ästhetik: Der gleichen Abstand zwischen allen Buchstaben, alles in derselben Schrift, Unterstreichung als einzige Hervorhebung wichtiger Textpassagen, ein sehr begrenzter Zeichensatz. Geschriebenes schön machen – das erledigten typografisch geschulte Experten beim Satz der Texte.

Moderne Textverarbeitungsprogramme können erheblich mehr als die Schreibmaschine: verschiedene Schriftarten, Zeichen mit Abstandsausgleich, Fettschrift und Kursive – alles kein Problem. Jeder PC-Besitzer ist sein eigener Schriftgestalter und erzeugt mit etwas Geschick gut aussehende, gut lesbare Texte.

Doch wenn besondere Zeichen erforderlich sind, für die es auf dem zu knapp bestückten Computer-Keyboard keine Taste gibt, erfolgt all zu leicht der Rückfall in die Schreibmaschinen-Ära mit ihren Tipp-Schnitzern.

Als Anführungen und Apostrophe fungieren oft fälschlich Zoll- und Fußzeichen. Richtige Anführungen sehen besser aus und erlauben differenzierte Satzkonstruktionen.

Falsche Zeilenumbrüche oder zu weite Leerräume stören den Lesefluss oft erheblich.

Anstelle von Binde- und Gedankenstrich – die ihre unterschiedliche Funktion mit verschiedener Länge anzeigen – wird einfach nur das Minuszeichen getippt.

Das Beharren auf solch feinen Unterschieden ist mehr als die Marotte verschrobener Schrift-Ästheten. Der Gebrauch solch „falscher“ Zeichen erschwert das flüssige Lesen oder wirkt (z.B. bei ungewollten Zeilenumbrüchen) sinnentstellend. Und im Duden steht es ganz amtlich – die häufig verwendeten Schnelltippvarianten sind schlicht falsch. Aber wie geht es richtig? Wie erzeugt man nicht-umbrechende Leerzeichen, unterschiedliche Striche oder oder französische Anführungszeichen?

Sonderzeichen in Word: Tippautomatik

Beim Tippen von Anführungszeichen hilft die Textverarbeitungs-Software (Microsoft Word ebenso wie der OpenOffice-Writer) weiter. Sie können für Anführungszeichen weiterhin das Zollzeichen auf Ihrer Tastatur nutzen, es werden korrekte öffnende und schließende Anführungszeichen gesetzt. Das hilft aber nur, wenn man die normalen, sogenannten „deutschen“ Anführungszeichen verwenden will. Viele andere Zeichen werden nicht so komfortabel und zuverlässig ersetzt – das gilt für »Guillemets« ebenso wie für nicht umbrechende oder besonders schmale Leerzeichen und Gedankenstriche.

Das Sonderzeichen-Menü

Mithilfe der Auto-Korrektur-Funktion kann man sich zwar weitere Zeichen zum automatischen Austausch während des Tippens definieren. Jedoch erfordert der korrekte Einsatz vieler Sonderzeichen aktives Mitdenken, was die Automatik nicht leisten kann. Abhilfe schafft der Sonderzeichen-Dialog (in Word unter Einfügen – Symbol, in OpenOffice unter Einfügen – Sonderzeichen). In dieser oder einer ähnlichen Form gibt es ihn in jeder Textverarbeitung.

Die unterschiedlichen, duden-relevanten Striche und Leerräume finden Sie am Anfang der Liste, einige spezielle Anführungszeichen weiter unten, dazwischen Sonderzeichen, die man weit seltener braucht wie z.B. © oder das Paragraphenzeichen ¶. Aber was bedeuten die kryptischen Kürzel und Begriffe? Der Word-Sonderzeichen-Dialog leistet sich einen kleinen Ausflug in die Welt der Typografie, der Schriftgestaltung. Dort werden Zeichenabstände (Leerräume), aber auch die Länge von Strichen in Gevierten gemessen. Dieses Maß stammt aus dem Bleisatz: Es bezeichnete den nicht druckenden Bleikörper („Kegel“), auf dem die eigentliche Bleiletter sitzt. Ein ganzes Geviert ist so lang wie die Höhe dieses Schriftkegels, ein Halbgeviert die Hälfte usw.

  • Der Geviertstrich ist ein sehr langer Strich (in der Abb. oben als Streckenstrich zu sehen). Er wird nur noch selten genutzt und meist durch den etwas kürzeren Gedankenstrich ersetzt.
  • Der ein halbes Geviert lange Gedankenstrich wird in Parenthesen – eingeschobenen Satzteilen, so wie hier – als Zeichen für „gegen“ oder „bis“ (Neue Baumstr. 33 – 36 oder Rotweiß Penzkow – Ballfreunde Hainbuch), manchmal auch bei Preisangaben (25,– EUR) genutzt.
  • Auch Em-Abstand und En-Abstand korrespondieren mit den Geviertmaßen, es sind nur andere Bezeichnungen dafür. Em entspricht einem Geviert, En einem Halbgeviert, der 1/4-Em-Abstand dem Viertelgeviert. Mit diesen Sonderzeichen – ja, auch die Lücken sind technisch gesehen Zeichen – können Sie etwas weitere und schmalere Leerräume einfügen. Letztere sind z.B. als Zwischenraum zwischen einzelnen Elementen einer Abkürzung, bei Daten zwischen Tag und Monat oder als Tausendertrenner bei Zahlen vorgeschrieben.
  • Das geschützte Leerzeichen verhindert Umbrüche an der falschen Stelle.
  • Der geschützte Trennstrich macht sich in zusammengesetzetn Wörtern nützlich, die nicht getrennt werden sollen.

Durch Auswahl des gewünschten Zeichens aus der Liste und den Befehl Einfügen setzen Sie das gewünschte Zeichen in Ihren Text ein.

Schnelle Abkürzung: Tastenkürzel

Wer das Hantieren mit dem Dialogfeld zu umständlich findet, kann für einige Sonderzeichen Tastaturkürzel verwenden.

  • langer Geviertstrich: Strg + Alt + das Minuszeichen des Ziffernblocks
  • Gedankenstrich: Strg + das Minuszeichen des Ziffernblocks
  • Bindestrich und Minuszeichen: Eingabe „Minus“
  • ein geschütztes Leerzeichen erzeugt man per Strg + Umschalt + Leertaste

Für die Leerräume sind keine Tastenkürzel vordefiniert. Mithilfe des Befehls Tastenkombination… können Sie eigene Kürzel definieren.

Linktipps: Satzregeln

Das Typowiki gibt erschöpfend Auskunft zu Anführung, Apostroph und Co.

Die Dudenregeln stützen sich teilweise auf die DIN 5008. Das Landesinstitut für Schule und Medien des Berliner Senats hat ein umfassendes PDF mit den DIN-Regeln zusammengestellt.

Wer nicht nur in Word, OpenOffice Writer  und anderen Textverarbeitungstools schöner und richtiger schreiben möchte, sondern auch in Webtexten, sollte sich Christof Päpers Typografie für Webdesigner zu Gemüte führen.

Lesen Sie in der zweiten Folge von “Schöner und richtiger tippen, wie Sie Sonderzeichen viel schneller, ohne sperrige Dialogfenster und sogar mit anderen Anwendungen schnell in Ihre Texte einfügen.

“Richtiger und schöner tippen (1)” von Sibylle Mühlke steht unter einer Creative Commons Lizenz. Die nicht-kommerzielle Nutzung ist erlaubt, wenn die Urheberin genannt und der Text nicht verändert wird.

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