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Tag "Stadtgeschichte"

Wer bei Infografik nur an Tortendiagramme denkt, hat selber Schuld. Infografik gibt es auch in hübsch. Und animiert.

Dieses wunderbare Video erklärt, wie der Berliner Stadtteil Köpenick seinen Namen bekommen hat, außerdem erfährt man nebenbei, was es mit dem Stralauer Fischzug (heute eine volksfestartige Veranstaltung) auf sich hat. Ich liebe sowas! Gefunden im Infografik-Blog. Das auch sonst sehr empfehlenswert ist, zumindest für LiebhaberInnen gepflegter Pixelei – äh, Vektoren.

(Diesen Eintrag widme ich meiner lieben Ex-Kollegin Heike G., die justament in Köpenick ihren Garten hat – auf einer Insel!)

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Zusammen 150 Jahre alt, das sind sie wohl, Käpt’n Wunsch und seine Gisela. Wer glaubt, Spaß und “Fun” seien nur der Jugend vorbehalten, irrt. Denn mit den beiden kann man sehr viel Freude haben.

Kapitän Wunsch ist ein mit wahrhaft allen Wassern gewaschener Binnenschiffer, der sein Element auch als Taucher, Schleusenmeister und Ingenieur für Verkehrswesen kennt. Und die Gisela ist sein gut 11 Meter langes, stählernes Schiff. Rund 75 Jahre hat sie auf dem Buckel, diente knapp 50 Jahre als kleine Fähre, nun liegt sie im Historischen Hafen in der Nähe der Fischerinsel und ist weit davon entfernt, ihr “Gnadendiesel” zu bekommen.

Man kann Schiff samt Kapitän chartern und sich von beiden über Berlins Wasserwege chauffieren lassen. Das ist ein ganz anderes, viel schöneres Gefühl als mit den großen Schiffen der berliner Ausflugsreedereien. Man ist dem Wasser sehr nahe, bekommt ordentlich Wind um die Nase und einen Hauch Schiffsdiesel. Routen kann man mit dem Käpt’n Wunsch individuell absprechen. Das beste sind aber die Geschichten, die der Kapitän zu erzählen weiß. Das sind nämlich keine launigen Dönekes à la “Die Berliner Schnauze nennt dieses Bauwerk Kohlosseum” (was ham wa gelacht), sondern großartige, lebendige, interessante Geschichten aus einem offenkundig reichen (Er-)Leben.

Was ich auch gelernt habe: vor schmalen Brückendurchfahrten kontaktiert man nahe Schiffe per Funk, um Kollisionen zu vermeiden. Kapitän Wunsch und Gisela bekamen von allen Kollegen großzügig Vorfahrt gewährt.

Meine letzte Tour mit Gisela ist nun schon ein ganzes Weilchen her. Ich denke heute noch gerne und mit leiser Wehmut daran. Wer weiß, wie lange die beiden noch unterwegs sind.

Ahoi, und allzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

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Slaven Rezic hat dafür gesorgt, dass ich heute einen sehr schönen Vormittag hatte. Slaven Rezic ist der Betreiber und auch Entwickler des berliner Fahrrad-Routenplaners BBBike. Und BBBike ist die Lösung für ein Problem, das wohl viele alltagsradelnde Berliner kennen. Denn auch durchaus radelerprobte und ortskundige Leute (wie z.B. ich) können in der großen Stadt nicht immer die schönsten und kürzesten Wege kennen. Will man dann mal in unbekanntere Ecken, fährt man entweder unnötig umständlich oder in graden Linien über die großen Straßen.

BBBike schafft Abhilfe: man gibt Start- und Zielort ein, kann wählen, ob man beispielsweise Hauptstraßen oder Kopfsteinpflaster meiden möchte und wie schnell man fährt. Dann bekommt man eine detaillierte Tourenbeschreibung inklusive geschätzter Zeit und Anzahl der Ampeln zum Ausdruck ausgespuckt. Optisch kommt das Portal spartanisch daher, doch läßt sich’s leicht bedienen. Und auch die Qualität der Wegbeschreibung war hinreichend. Ich bin damit heute gut 30 km durch die Stadt gefahren und habe mich nur einmal vertan. Das lag aber daran, dass ein langes Stück durch Grünanlagen führte, die keine Straßennamen haben und ich mich etwas orientierungslos fühlte.  Ich war sehr zufrieden mit dem Service – tolle Sache! Ich habe mich sicher nicht das letzte Mal von BBBike durch die Stadt leiten lassen. (Nach dem Break ist zu lesen, was ich unterwegs erlebt habe.)

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Ladeninschriften aus den dreißiger Jahren auf Fassaden, der Blick auf eine Brandwand mit Reklame aus den Zwanzigern – von der S-Bahn aus zu sehen und immer zu schnell vorbei – wunderbare Blech- und Neonbuchstaben mit der Anmutung der Fünfziger im ehemaligen Ostteil der Stadt, klassisch-schöne Schriften in U-Bahnhöfen … Für typophile Großstadtflaneure ist ganz Berlin ein Buchstabenmuseum. Oder war es: immer mehr der historischen Schriften verschwinden aus dem Stadtbild, werden verschrottet oder übermalt.

Am Samstag war ich im Buchstabenasyl. Bzw. im Buchstabenmuseum. Seit vier Jahren kümmert sich der gleichnamige Verein um die Rettung demontierter Schriften, auch Pläne für ein richtig großes, tolles Museum werden entwickelt. Zunächst einmal gibt es ein Schaudepot, in dem die übermannshohen Typen gestapelt liegen und an den Wänden hängen. Einmal im Monat dürfen interessierte Besucher gucken kommen.  Aufbereitet ist die Sammlung bisher wenig – im Moment ist der kleine Verein eher eine Mischung aus Recycling-Unternehmen und Lager und rettet, was zu retten ist. Ich fand es interessant da. Und vor allem finde ich es erleichternd, dass sich jemand um die alten Schriften kümmert, deren fortschreitendes Verschwinden mich wirklich bekümmert (ich bin ja nicht nur Typoliebhaberin, sondern auch so halb angelernte Werbetechnikerin).

Aktuell kämpft man um die berühmte Zierfischreklame vom Frankfurter Tor. Die Originale der Schrift stammen aus den Fünfzigern, in den Neunzigern wurde nochmals modernisiert. Kürzlich schloss der Aquaristikladen, nun will Buchstabenmuseum e.V. Schriftzug und Neonfische für sich sichern. Spendet, Leute, spendet!

Das Schaudepot befindet sich in der

Leipziger Straße 49
10117 Berlin (Mitte)
U2 Spittelmarkt, Bus M48 und 347
Besichtigung nach Voranmeldung möglich unter verein@buchstabenmuseum.de

Die schönsten Stücke sind auch online zu bewundern.

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