Hier publiziert am 2. Juli 2009 | Schlagwort(e): Ausgehen Essen gehen, Kultur | 2 Kommentare »
“Ein Drama shakespear’scher Dimension” nannte Regisseur Peter Dörfler bei der Berlinale-Premiere den Stoff seines Dokumentarfilms. Er übertreibt nicht: Norbert Witte, ein Schausteller, der mit seiner Familie und seinem Unternehmen schon durch einige Höhen und Tiefen des Lebens gegangen ist, übernimmt nach der Wende das Gelände des Spreeparks in Berlin-Treptow. Das Projekt seines Lebens. Er baut das Unternehmen im großen Stil um und auf und scheitert schließlich grandios. Bei Nacht und Nebel verlässt er mit seiner Familie und den Fahrgeschäften Berlin und setzt sich nach Peru ab.

Ein Neuanfang dort will nicht gelingen. Der Zoll hält einige Fahrgeschäfte zurück, die funktionierenden spielen Schulden ein. Als das Geld kaum mehr für Essen reicht, gehen Ehefrau und Töchter zurück nach Deutschland. Vater und Sohn bleiben. Der Plan, 180 Kilo Kokain im Gestänge eines “Fliegenden Teppichs” nach Deutschland zu schmuggeln und so den brachliegenden Spreepark wieder flott zu machen, fliegt auf.
Ja, weiter »
Hier publiziert am 30. Juni 2009 | Schlagwort(e): Fotografie, Kultur, Schöne Sachen | 2 Kommentare »
Ein Einleger meines Notizbuchs ist voll und bevor ich ihn durch ein leeres Heft ersetze, blättere ich schnell noch einmal durch.
Bei der letztjährigen Fotokina habe ich auch die sehr gute Fotoausstellung “Visual Gallery” besucht. Besonders gefallen haben mit die Arbeiten von Esther Haase, die unter dem Titel “Seltene Momente von Echtheit” Modofotos mit alten Menschen inszeniert. Wenn man das hört, springen erst einmal sämtliche Abwehrreflexe an: Omas in Westwood - ist das nicht bloß billige Provokation? Denunziatorisch? Ein geschickt eingesetzter Schocker? – Nein, ist es nicht. Und sobald man sich die wunderbaren Fotos ansieht, erkennt man beschämt, dass diese Bedenken darauf verweisen, dass man selbst ein ziemlich schräges Konzept von “den Alten” hat. Eines, das völlig ausblendet, dass diese natürlich einen eigenen Kopf, einen eigenen Willen und eine eigene Geschichte haben und sich gar nicht so einfach instrumentalisieren lassen, wie man so wohlmeinend und vermeintlich political correct glaubt. Und dass es auch mit über Achtzig Spaß an der Selbstinszenierung geben kann.
Esther Haases Fotos sind sind einfach klasse, mehr Adjektive müssen da gar nicht sein. Und sie fotografiert auch nicht professionelle wohlgepflegte Fünfzig-Plus-Models, wie man sie von der Dove-Kampagne kennt, sondern “echte” Alte, Klienten eines Berliner Pflegedienstes. Und das macht sie schon seit vielen Jahren. Man kennt sich, und das sieht man den Bildern auch an.
Ach so, und was war jetzt mit dem Notizbuch? In der Ausstellung gab es nicht nur Fotos. Die Fotografierten wurden auch zitiert.
Manchmal hole ich meine Kleider aus dem Schrank und denke: Gott ja? Ich habe inzwischen mehr Falten als die. Aber ich hatte auch mehr Spaß.
(Traute Wysocki, geboren 1920)
Ich hoffe, dass ich dereinst auch einmal so etwas sagen kann. Die Falten sind jedenfalls schon mal in Arbeit …
PS: Die Sächsische Zeitung berichtete unter dem schönen Titel “Sie träumen von einer Welt ohne Seniorenteller” über das Projekt und zeigt auch das Haase-Foto von Traute Wysocki.
Hier publiziert am 10. November 2008 | Schlagwort(e): Ausgehen Essen gehen, Kultur | Den ersten Kommentar schreiben »
Wer den Wunsch verspürt, cineastisches Vergnügen mit physischer Abhärtung zu verbinden, kann ins Kino Central am Hackeschen Markt gehen. Das Programm ist Off bis Arthouse, viel OmU-Filme gibt’s, und an der zentralen Lage gibt es auch nichts auszusetzen. Angenehm auch, dass keine Werbung läuft. Aber! Die Säle sind unglaublich schlecht belüftet und viel zu heiß. Man hockt im schweißigen Mief der Leute vom Film vorher und weiß gar nicht, wohin mit den vielen ausgezogenen Jacken, Schals und Pullis. Und leider sind auch die Toiletten ein geruchliches Erlebnis der Sonderklasse. Und wegen der vielen Biere, die man ja gegen die Hitze trinkt, muss man … etc.
Aber trotzdem: Das gute Filmprogramm rechtfertigt das Leiden. Und außerdem gehört ein Projekt unterstützt, das im langsam zerbröselnden Haus Schwarzenberg dem Hyper-Streamline-Berlin-Mitte-Kommerz widersteht. Und die Leute, die im Central-Kino arbeiten, sind ungemein nett, außerdem gibt es da unglaublich leckeres Mangoeis.
Central Kino Berlin
Rosenthaler Straße 39
10178 Berlin (Mitte)
Tel. +49 (0) 30 28 59 99 73
Nahverkehr:
U 8 Weinmeisterstraße
S Hackescher Markt