Eine ganz und gar subjektive und ungerechte Liste.
■ Designer- als Präfix (22.700 Googletreffer für “Designerlampe”, 106.000 für “Designerstuhl”, 217.000 für “Designerapartment”) – nichts gegen Designer, einige meiner besten Freunde usw. Auch ganz und gar nichts gegen gut gestaltete Möbel, Häuser, Sportgeräte, Elektronikgadgets. Was mich so nervt, ist das Mißverständnis von “Design”, das der Wortverwendung oft zugrundeliegt. Denn “Design” ist nicht alles, was irgendwie schlicht (“reduziert”), verchromt, glänzend und gläsern daherkommt oder von unzähmbarem Gestaltungswillen geformt scheint (so wie die grauenhaften Breetz-Sofas). Design ist, was durchdacht ist und gut funktioniert (beispielsweise das iPod-Clickwheel). Oder was durchdacht und kühn ist (der Einsteinturm in Potsdam etwa, eine bauphysikalische Katastrophe, aber trotzdem bis heute staunenswert schön). “Design” hat ein gestalterisches und funktionales Konzept, “Designer-” hat eine Oberfläche, die bestimmte Merkmale erfüllt. Leider kann man die beiden Begriffe leicht verwechseln. “Designer-”Komposita sind überflüssige Wörter.
■ -farbend, so wie in silberfarbend, rosafarbend etc. – meine Abneigung gegen “-farbend” rührt eindeutig von zeitweilig zu intensivem eBay-Gebrauch her. Selbst Schuld also, aber trotzdem richtig ekelhaft! Wer sowas schreibt, soll nicht noch im Internet Geld verdienen dürfen. Gerne auch in Verbindung mit -optik: “Kommode in Eicheoptik, Griffe messingfarbend”. Schauder.
■ funzt net (43.900 Googletreffer) – Liebe Forennutzer, glaubt ihr wirklich, ich würde mir eine detaillierte, qualifizierte Antwort zu euren PC-, PS-, whatever-Problemen ausdenken und diese auch noch posten, wenn ihr schon zu faul und zu dumm seid, ein paar Silben mehr in eure verschleimten Tastaturen zu hacken? Es heißt: “funk·ti·o·nie·ren”. Ist das so schwer? Wenn euch der Fünfsilber so schlimm überfordert, könnt ihr schreiben: “klappt nicht”, “geht nicht”, “will nicht”.
■ kirre (56.700 Googletreffer) – das arme Wort kann nichts dafür, dass ich mich darüber aufrege. Denn Grund meiner Echauffage ist nicht der Begriff selbst, sondern dessen falsche Verwendung. Denn eigentlich bedeutet es zahm, gefügig (kann man auch als Verb benutzen: “ein Pferd kirren”). Benutzt wird es jedoch immer als Steigerungsform von “irre”. Das kommt mir jedesmal außerordentlich grob und dumm vor.
■ raspelkurz (22.600 Googletreffer) – jaja, das bezeichnet einen Kurzhaarschnitt, schon klar. Aber was heißt das eigentlich? Dass diese Frisur mithilfe einer Raspel geschnitten wird? Dass man sich vor solchen Haaren hüten soll, weil man sich leicht die Finger dran aufraspelt? Und woher kommt dieser Begriff? Hat er sich aufgrund einer lautlichen Ähnlichkeit zu “ratzekahl” (dies wiederum eine Umbildung aus “radikal”) etabliert?
■ stückig (64.700 Googletreffer) – aus der Lebensmittelbranche und wenig appetitanregend. Ich finde, damit wird ein etwas unpassender Assoziationsraum eröffnet. Ließe sich außerdem ohne Verbiegungen einfach anders beschreiben: “mit Fruchtstückchen”, “grob zerkleinert”, “mit Biss” etc. Warum dann also dieses blöde “stückig”? Eigentlich kann ich mir nur eine Verwendung dieses Adjektivs vorstellen, die mich amüsieren würde, nämlich im Bereich der Damenhygiene. “Der Tampon für die stückigen Tage der Periode”, das wär mal was. (Sorry, Leser, da müsst ihr durch jetzt.)
■ wertig (131.000 Googletreffer) – was soll das sein? Eine Steigerungsform von “hochwertig”? Oder soll es bedeuten: “Naja, wenn wir die Ausstattung von xyz als ‘hochwertig’ bezeichnen, das wäre vielleicht doch etwas zu hoch gegriffen für diesen Schrott, also wandeln wir das Wort mal ein wenig ab und schreiben, hmmh, … ja, genau ‘wertig’, das klingt gut”. Also, ich kenne “wertig” außer in Verbindung mit “hoch-” nur noch als Logikterminus (“zweiwertig“) und als Kompositum aus der Chemie (zum Beispiel “dreiwertig“).
Und was bringt euch so in Wallung, sprachlich?
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