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Tag "Foodista"

Gleich noch ein Hinweis in Sachen Honig. Meine Textkollegin Dorothee Köhler ist ja schon einen Schritt weiter als ich: sie braucht nicht mehr so viel über Honig schreiben, sie imkert selbst! Die Honige ihrer Honig-Faktorei kann man nun auch online bestellen. Ich durfte schon einmal welchen kosten und kann die leckeren Honig-Cuvées nur empfehlen (und ich bin da wählerisch, glaubt mir!). Also, schnell klicken und sich einige Gläser sichern!

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Wie passt kulinarischer Genuss in die entpersonalisierte, abstrakte Welt des Internets? Erstaunlicherweise sehr gut. Wenn’s um Essen geht, erfüllt das Internet viele der Versprechungen aus seinen Anfangstagen. Dann ist es ein Ort der unverstellten Kommunikation und verbindet Menschen durch mehr als einen Buttonklick. Es ist Inspiration und verlässlicher Wissensfundus. Es ermöglicht idealistische kleine Projekte, ist Vertriebsweg für Nischenprodukte und steht so für kulinarische Vielfalt und Unabhängigkeit von Lebensmittelmultis. Dass das kulinarische Web eine besondere Qualität hat, liegt an…

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Wenn eine Frau zu einem ihrer Haushaltsgegenstände herzliche Gefühle entwickelt, wenn dieses Utensil irgendwie länglich-schlank ist und seine Handhabung, nun ja, sowas wie eine Pumpbewegung einschließt – dann ist das sehr schön für sie und im Regelfall wird sie darüber genießerisch schweigen. Oder allenfalls ihrer besten Freundin was wispern.

Hier ist das ganz anders, ich darf über den Gegenstand meiner Affektion laut reden und sogar bloggen, denn es handelt sich um einen Kaffeebereiter. Er macht einen der besten Kaffees, den ich seit langem getrunken habe. Und ich bin da wirklich sehr mäkelig. Ich hatte jahrelang eine beeindruckende italienische Espressomaschine in Verwendung, ein Zweikreiser, innen alles aus Messing und schwerem Metall, das Profizeug eben. Ich habe mich in Kaffeeforen getummelt, in denen die Rancilio Silvia, eine ansehnliche einkreisige Maschine, die mit passender Mühle mehr als 700 EUR kostet, als Einsteigermodell gehandelt wird. Ich weiß noch, dass ich im April 2006 im innersizilischen Örtchen Linguaglossa, genau in der Bar le Palme, einen Capuccino von außerordentlich guter Qualität getrunken habe. Ich fahre durch die halbe Stadt, um meine Lieblingskaffeesorte zu kaufen und mahle meine Bohnen immer selber. Und so weiter.

Den ersten Hinweis auf das neue Wundergerät, welches mich jetzt so beglückt, fand ich hier. Es hört auf den schönen Namen Aerobie Aeropress, besteht komplett aus Plastik, kostet rund 35 EUR und ist nicht sonderlich dekorativ. Es hat jedoch was von Mad-Professor-Laboratorium, das gefällt mir. Und es ist sehr durchdacht.

▲  Von oben li. im Uhrzeigersinn: Rühren – Pressen – Abnehmen – mit Milch oder Wasser verdünnen.
Auf den Bildern sieht das Ganze etwas messy aus, ist es in Wirklichkeit aber nicht.

Das Prinzip ist einfach: Wasser kochen, Filter anschrauben, Kaffeepulver rein, aufgießen, umrühren, durchdrücken. Nun fragt man sich, was ist so toll daran – ist es nicht einfach eine Kombination aus French Press, Handfilter und Espressohebelmaschine? Ja, ist es. Heraus kommt allerdings der beste Kaffee, den ich … ach so, das hatten wir schon. Die French-Press-typischen Schwebteilchen gibt es nicht. Und der Aerobie-Kaffee schmeckt unglaublich mild und – ja, rein. Ich trinke ihn manchmal sogar freiwillig ohne Milch. Der Geschmack der Bohne ist ganz klar und subtil modelliert zu spüren, ohne Bitterstoffe. Man kann damit starke Shots, Americano und milchige Varianten bereiten. Und durch Mahlgrad, Kaffeemenge, Ziehzeit das Ergebnis gemäß der eigenen Präferenzen fein tunen. Obendrein dauert die ganze Prozedur, mit Bohnen-Mahlen, Zubereiten und Säubern der Presse, drei bis fünf Minuten. – Tschüs, mediokre Kaffeebuden dieser Stadt, ihr könnt mich mal mit eurer Plörrre!

Hinweis: Dieser Beitrag ist nicht werbefinanziert. Der enthaltene Enthusiasmus ist Kaffee-induziert.

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… und die, die es essen, gleich mit. Ziebelconfit ist so eine Art Marmelade aus in Wein geköchelten Zwiebeln mit Kräutern und Gewürzen. Es schmeckt perfekt zu Kurzgebratenem und ist leicht herzustellen.

Ich habe mir gestern ein hervorragendes Rindersteak (es war sogar ein Filet, aber ich bin grade etwas krank und darf das) vom Neulandmetzger Gerlach in die Pfanne gehauen und hatte Lust auf Zwiebelconfit als Beilage. Dazu gab es ein Glas desselben Rotweins, den ich zum Kochen genommen habe und helles Brot. Perfekt. Ich war glücklich.

Zwiebelconfit zu kochen ist ganz einfach. In der Tat so einfach, dass man nicht so genaue Mengenangaben benötigt – das entscheidende ist die Zwiebel-Flüssigkeits-Ratio und die passt man während des Köchelns an.

Du brauchst für 1-2 Portionen

  • 2 Handvoll Zwiebeln, am schönsten sieht es aus mit roten Zwiebeln
  • frischen Thymian nach Geschmack, ersatzweise Kräuter der Provence
  • ggf. 1 – 2 Nelken
  • Butter oder Öl
  • Zucker, zum Beispiel Mascobado-Vollrohrzucker
  • Balsamicoessig
  • trockenen Rotwein (der Wein gibt viel Aroma an die Zwiebeln ab, also nicht das schreckliche Zeug nehmen, das vor einem Jahr mal jemand “mitgebracht” hat)
  • ggf. etwas Brühe
  • Salz, Pfeffer
  • ca. 35 Minuten Zeit (man kann aber zwischendrin auch schon was anderes machen)

Die Zwiebeln abziehen und in Spalten zerteilen. Thymian von den Zweigen züpfeln. Butter oder Öl in einem Topf erhitzen. Die Zwiebeln, den Thymian und die Nelken dazugeben und kurz andünsten, bis die Zwiebeln anfangen glasig zu werden. Dann den Zucker darüberstreuen und gut karamellisieren. Mit einem Schluck Balsamico ablöschen und sofort danach den Rotwein angießen. Auf mittlerer Flamme mit offenem Deckel köcheln, bis die Zwiebeln zerfallen und weich sind und die Flüssigkeit verkocht ist. Man braucht eine ganze Menge von dem Wein, denn die Zwiebeln sollen geradezu marmeladig werden, das dauert ca. 20-30 Minuten. Ich habe die Zwiebeln erst so zwei Daumen breit mit Wein bedeckt und während des Köchelvorganges noch öfters nachgegossen. Man kann auch zwischendrin probieren und, falls das Ganze zu weinig wird, auch ein bisschen Brühe angießen. Am Schluss soll jedenfalls keine Flüssigkeit, allenfalls etwas dickflüssige Nässe übrig sein. Gesalzen wird erst, wenn’s fertig ist – da das Gericht stark einkocht, kann man die Salzmenge sonst gar nicht einschätzen.

Fotos habe ich nicht gemacht, war zu gierig. Und wer mag schon kaltes Steak? Ich nicht.

Das war: Neurezept #1. Zusammengestellt aus zwei verschiedenen Confitrezepten, die ich aus dem Internet gefischt habe.
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Status: Es ist kompliziert

Bisher habe ich Foers Fleischkritikbuch und Duves Ess-Selbstversuch-Buch links liegen lassen. Ich denke auch ohne diese Lektüre nicht gerade selten über Essen nach. Nicht nur über konkrete Gerichte, den Lunchbreak, die nächste Verlockung oder wo ich eine besondere Zutat herbekomme. Sondern vor allem über die Bedeutung von Essen jenseits seiner lebenserhaltenden Funktion. Welchen Rang Essen in “unserer Gesellschaft” so hat. Wie Individuen das Essen sehen. Wie verquer unser Verhältnis zum Essen ist. Essen ist Lebensnotwendigkeit, trotzdem wissen offenbar immer mehr Menschen immer weniger über Lebensmittel. Gestiegene Qualitätsansprüche und bewußter Nahrungskonsum stehen neben industriell erzeugtem Nahrungsschrott (die armen Tiere!). Glauben sollen wir, dass die Zubereitung von gutem Essen unglaublich aufwändig sei, weswegen wir vorfabrizierten Convenience-Mist dringend bräuchten. Gleichzeitig ist gutes Essen Genuss und außerdem ein Mittel der sozialen Distinktion. Für viele Menschen ist kulinarischer Genuss aber auch unglaublich problematisch, fast unmöglich. Essen ist mit Schuldgefühlen verbunden und etwas, das man unbedingt unter Kontrolle halten muss. Mit Kalorienlisten, Esstagebüchern, Punktezählerei. Essen und Körper(selbst-)disziplinierung sind nicht zu trennen. Ich würde sagen, gesamtgesellschaftlich ist unser Verhältnis zu Essen mindestens genau so verkorxt wie das zu Körpern und zu Sex.

Lieblose Küche sorgt für Lebensqualitäts-Verlust

Mir ist erst in den letzten Tagen aufgegangen, wieso mich dieses Thema  jüngst so stark beschäftigt. Während ich ehedem eine interessierte und halbwegs kenntnisreiche Köchin, begeisterte Gastgeberin und lustvolle Esserin war, hatte sich meine eigene Einstellung zu(m) Essen während des letzten Jahres unmerklich gewandelt. In meinem Kopf haben sich Sätze festgesetzt wie “dauert zu lange”, “mach ich mal bei einem besonderen Anlass”, “Essen macht dick”, “ich hab Wichtigeres zu tun” (was? Serien gucken?) und “macht jetzt zu viel Arbeit”. Insgeheim empfand ich mein Bedürfnis zu essen als lästig, gar gefährlich (Hüftspeck, dick und ungeliebt enden etc). Ich habe schnell und pragmatisch Standards aus meinem Repertoire gekocht, aus Vernunft, nicht aus Freude oder Esslust. Was für ein großer Lebensqualität-Verlust!

Das alles dämmerte mir erst allmählich; nach diversen Unterhaltungen mit FreundInnen und beim Lesen des smarten und mundwässernden Blogs von Anke Gröner, das mich wirklich beflügelt hat. Worum geht es da? Unter anderem darum: Mlle Gröner hat ihre frühere, offenbar nicht einfache Beziehung zum Essen revidiert, die Lust am Kochen und Essen entdeckt und da wirft sie sich nun mit Schmackes rein. Und bloggt darüber. Erst bei dieser Lektüre fiel mir auf, wie schlecht mein eigenes Verhältnis zum Essen geworden ist. Dass ich zu wenig Gutes koche und esse, war mir klar, das ganze Ausmaß nicht. Wie das passiert ist, ist eine zu lange Geschichte. Dabei bin ich eigentlich davon überzeugt, dass man schöner, gesünder und glücklicher wird, wenn man sich so oft wie möglich kocht, was man grade essen möchte. Der Körper weiß schon. Und Essen ist nicht der Feind. Gutes, selber gekochtes Essen ist toll!

Vorsatz für 2011

Ich weiß jetzt auch. Ich will viel kochen. Ich will gute Sachen essen. Und ich will Vielfalt. Ich will in diesem Jahr möglichst viele neue Zutaten und Rezepte ausprobieren, die ich noch nie gemacht habe (solange es mir Freude macht, werde ich die Ergebnisse hier verbloggen). Bin gespannt, wie viele neuen Gerichte ich in einem Jahr schaffe. Aber das soll kein Wettbewerb werden, sondern eine Lust-, Genuß- und Spaßveranstaltung. Den Einkaufs-, Koch- und Essspaß lass ich mir von körper- und genußfeindlichen Diskursen nicht mehr vermiesen!

PS: Mein zweiter Vorsatz für 2011: Weniger Sätze mit Trenn- und Bindestrichen.

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Lokal produzierte Imkerhonige schmecken köstlich. Sie sind im konventionellen Lebensmittelhandel kaum zu finden – neuerdings aber im Internet. Ich habe einen Artikel zum Thema geschrieben, der am 17. Juli in der taz erschien.

Das Summen über der Stadt

Auf dem Kreuzberger Dach stehen drei große Kästen in der Sonne. Tritt man näher, hört man es summen, ein leichter Wachsgeruch liegt in der Luft – es sind Bienenstöcke. Sabine Wagner ist Stadtimkerin, seit fünf Jahren hält sie Bienenvölker oben auf dem “Heilehaus” in der Waldemarstraße. Bienen in der Großstadt? Das ist weniger exotisch, als es scheint. In Berlin wird fleißig geimkert – auf Dächern, in Parks, auf Brachflächen und sogar am Rand von Friedhöfen. 560 Berliner Imker zählt der Deutsche Imkerbund, dazu kommen noch die Individualisten ohne Vereinsmitgliedschaft.

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Der Frühling war mal kurz da, nun ist er schon wieder weg. Maximal sieben Grad und Regen lautet die Tagesprognose. Zeit, sich ein wenig zu trösten – bei Kaffee und Torte beispielsweise. Ich verrate drei exquisite Berliner Adressen für Gebäcksüchtige. (Dieser Artikel erschien zuerst am 20.03. in der taz.)

Torte essen ist piefig, irgendwie maßlos, es macht dick, und ungesund ist es sowieso – warum hat das feine Gebäck eigentlich so ein Imageproblem? Möglicherweise, weil der allgegenwärtige Massenmampf aus der Großbäckerei tatsächlich eine perfide Mischung aus Zucker, Fett und Aromastoffen ist. Doch gute Torte ist Glücksnahrung! Ihr Verzehr erzeugt Wohlgefühl, sofort. Sie macht den Alltag besser und Feste festlicher. Sie duftet leise nach Butter und Vanille, sie zerfällt auf der Zunge und schmeckt nach Schokolade, Marzipan oder Obst, nach Heimat und nach Trost. Allerdings: Torte in Seelenfutterqualität findet man nicht an jeder Ecke. Diese Einsicht treibt nicht nur tortenlüsterne Gourmets um. Auf der Suche nach der guten Torte haben einige BerlinerInnen ihre Biografie umgekrempelt und das leckere Lebensmittel zu ihrem Lebensinhalt gemacht. Jetzt fertigen sie Torten mit hohem Qualitätsanspruch – und finden dabei den Geschmack „wie von früher”, kreative Freiheit oder den idealen Arbeitsflow.

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Selbst wenn man keine eigenen Kartoffeln anbaut, lohnt sich die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Sorten und der weitere Weg zum vertrauenswürdigen Kartoffelhändler. Denn die 2,5-Kilo-Plastikbeutel vom Supermarkt taugen oft nichts. Gute Kartoffeln jedoch sind ein einfaches, zufriedenstellendes kulinarisches Vergnügen.

Die politische Dimension des Kartoffelanbaus konnte man in den vergangenen Jahren am Beispiel der Kartoffelsorte Linda (siehe Bild) kennenlernen. Dabei gab es Anfang diesen Jahres erfreuliche Neuigkeiten.

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