❧  textanfall

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Tag "Alltagsleben"

Ein Bär ist im Wappen Berlins zu finden und deswegen unterhält die Stadt auch einen kleinen – zu kleinen – Bärenzwinger, in dem das Berliner Bärengeschlecht lebt. Zurzeit sind es zwei, Maxi und Schnute, wenn ich das richtig durchblicke. Der Zwinger liegt im Köllnischen Park und ganz in der Nähe meines Büros. Meist machen die armen Tiere einen recht unglücklichen Eindruck, um nicht zu sagen, sie zeigen Zeichen von Hospitalismus, aber heute hatten sie anscheinend auch mal einen schönen Tag. In den sonst trockenen Graben wurde Wasser eingelassen, die zwei haben ausgelassen darin gespielt. Nett!

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Wir haben hier seit Tagen gräßlichstes Wetter: es ist schwül, aber gar nicht mal so warm, ab und zu gibt es Schauer, man weiß nicht, was man anziehen soll und mein Blutdruck muss bei 60 zu 40 liegen. Und der Himmel ist ständig grau bezogen. Den ganzen Tag lang dasselbe helle diffuse Licht, jeden Tag aufs Neue. Man könnte gar nicht sagen, ob es fünf Uhr in der Früh, Mittag oder früher Abend ist. Ich sehne mich nach richtigem Wetter mit richtigem Himmel.

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Das L.O.B.O.-Buch hat mich dazu angeregt, vermehrt darüber nachzudenken: das Phänomen, dass man so oft lieber Anderes tut als das, was gerade ansteht.  Mir fiel ein bis jetzt nicht beachteter Aspekt auf.

Bei einem erst kurz zurückliegenden Umzug ging mein ganzer Besitz durch meine Hände – auch jene Gegenstände, die sonst am Rande des Haushalts und des Bewußtseins existieren. So waren mir die Früchte früherer Kreativität noch gegenwärtig. Nicht wenige davon habe ich fabriziert, um einer anderen Aufgabe aus dem Weg zu gehen. Eine Schablone mit dem Porträt des Dada-Künstlers Kurt Schwitters. Eine Mappe voller Zeichnungen. Von mir angefertigte kurze Comicstrips. Ein alter Koffer, einmal an einen fernreisenden Freund verliehen und zu diesem Behufe von mir mit der schön geschwungenen Silberschrift “Allet Jute!” versehen. Selbst gebundene Kladden und Bücher. Ein Sweatshirt mit einer Kartoffeldruck-Hommage an einen von mir damals extrem niedlich gefundenen Musiker (er hat sich beim Konzert darüber gefreut). Obst aus bemalter Pappe, im Wolf-Erlbruch-Stil. Mixtapes, nicht nur ingeniös zusammengestellt, sondern auch liebevoll gestaltet. Auf meinem ersten Computer (ein 386er) mit Paintbrush gemalt: Szenen aus meinen Lieblingsopern (Il Trovatore, Rigoletto, Boris Godunow), sogar gerahmt. Eine große Kiste mit Korrespondenz (Papierpost!). Torten, die ich gebacken habe, sind nicht erhalten, denn sie waren lecker.

Bevor es das Internet gab, war es einfach viel netter, nicht das zu tun, was man eigentlich sollte. Heute verbringe ich diese Zeit mit einer diffusen Mischung aus Webrecherche (halb gerechtfertigt) und Networking (halb dringend) und Rumklicken. Das heißt jetzt Prokrastinieren und ist nicht schön. Und auf jeden Fall vollkommen unproduktiv.

Man sollte in Zukunft öfter auf ausuferndes Gesurfe verzichten. Denn die angenehmen Ausweichtätigkeiten wirken auf die Arbeitsmotivation wie ein Stärkungstrunk auf eine ausgelaugte Physis.

Und um diesen Aspekt bitte ich die allgemeine Prokrastinations-Diskussion bitte zu erweitern!

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