❧  textanfall

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Tag "Alltagsleben"

Liebes Photoshop,

ich weiß noch, wie es war, als ich dich das erste Mal in Händen hielt. Das muss Mitte der Neunziger gewesen sein. Damals warst du schon ungefähr sechs Jahre alt, du hattest den Namen “3.0″ und kamst auf einem kleinen Stapel “Disketten”. Separate Bildebenen waren ganz neu und das große tolle Ding, mich haben sie zunächst ganz schön verwirrt.

Dass ich später einmal ein Buch mit mehr als 1000 Seiten über dich schreiben würde, konnte ich damals noch nicht ahnen. Ich wollte Comiczeichnerin werden und nicht immer nur mit Tusche, Pinsel  und Copic-Markern, sondern auch mit Pixeln kreativ werden.

Heute wirst du 20 Jahre alt und ich bin ein wenig gerührt: über unsere lange, intensive Freundschaft und über das, was draus geworden ist. Und dass du es mir nie übelgenommen hast, wenn ich dich im Buchdeadline-Stress beschimpfe, rechne ich dir hoch an. Auf die nächsten Zwanzig!

Alles Liebe, deine Sibylle.

PS: Die Geburtstagsfeier wird live übertragen.

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Es geht mir schon den ganzen Tag nicht aus dem Kopf: disgruntled customer (etwa: vergrätzter, mißgelaunter Kunde). Schade, dass man es nicht disgruntlled schreibt, sonst wäre der Name des Hardware-Herstellers, der diesen Zustand bei mir zu verantworten hat, im Adjektiv gleich enthalten (rückwärts gelesen). Das wäre doch praktisch.

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Die Krähen sind zurück. Eben habe ich sie das erste Mal in dieser Saison gehört und gesehen. Mit viel Krah und Kräh sammeln sie sich in der Dämmerung, kreisen einige Runden über unserem Bürogebäude und verteilen sich dann auf den Dächern zum Schlafen. Ich mag das sehr.

Es sind viel mehr, als ich hier auf dem Bild erwischt habe.

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In schwachen Momenten glaube ich an einen Kampf Dingwelt vs. Menschheit und vermute, dass wir mitten in einer Zermürbungsschlacht sitzen. Der Aufstand der Maschinen kommt nicht mit Explosionen und zusammenstürzenden Betonwänden, sondern mit dieser großen Kiste voller Akkus, Netzteile und verfilzter Kabel, die jeder irgendwo stehen hat. Und mit den Knöpfen an der Retro-Digitaluhr, die ich zwei Mal jährlich umstellen muss. Die Reihenfolge, in der man welchen Knopf wie oft drücken muss, um die Uhrzeit zu ändern, kann sich kein Mensch merken. Deswegen suche ich zwei Mal im Jahr die Gebrauchsanweisung.

Gestern habe ich viel Zeit gespart, denn unter usersmanualguide.com finden sich haufenweise Anleitungen, mit deren Hilfe wir diese ganzen sturen, hämischen elektronischen Geräte mal wieder so richtig Mores lehren können. Als nächstes ist der “Kurzwahlspeicher” meines Telefons dran. Ha!

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Wenn ich Screenshots für Software-Bücher und -Anleitungen mache, mogle ich manchmal ein klein wenig mit Photoshop. Zum Beispiel, wenn ich ein Feature darstellen muss, dass es in der aktuellen Entwicklungsversion, die mir zur Verfügung steht, noch nicht gibt. Im großen Stil Screenshots zu faken, lohnt sich nicht – es ist zu aufwendig und man muss höllisch aufpassen, dass man nicht Dinge im Bild hat, die die Nutzer verwirren (weil es sie so gar nicht gibt). Aber manchmal komme ich eben nicht drum herum.

Anscheinend muss auch die Grafikabteilung von IKEA ab und zu Möbel darstellen, die es noch gar nicht gibt und bekommt dafür nur sehr ungenaue Vorgaben. Oder, was glaubt ihr, wie der Sessel “PS Selma” in Wirklichkeit aussieht? So doch wohl eher nicht. Knapp 300 Euro finde ich jedenfalls ein bißchen zu teuer für ein Stoffmusterbuch auf vier Beinen.

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Bei gut 33° Außentemperatur wird’s inzwischen auch in meinem Altbau-Büro mit Nordfenstern warm. Ich hechele vor mich hin, der Tischlüfter liegt mit dem Rechnerkühler im Wettstreit und der Gedankenfluß wird langsam viskos. Da träumt man doch vom Arbeiten ganz woanders … draußen … im Schatten lind säuselnder Blätter. Was hierzulande nur Großdichter wie Goethe, Brecht (in Buckow – ein schöner Tagesausflug von Berlin) oder Hans Fallada (in Carwitz, Meck-Pom) hatten, gibt es in England ganz demokratisch für viele: den Arbeitsplatz im eigenen Gartenhäuschen. Shedworking heißt das da, Arbeiten im Schuppen. Und es scheint sich nicht um ein Randgruppenphänomen zu handeln. Das Shedworking-Blog liefert tägliche Updates, es hat sieben weitere Shedblogs verlinkt und wirbt außerdem für das Printmagazin The Shed. Toll. Ich bin begeistert und möchte so einen Arbeitsplatz sofort auch haben (nein, unsere Datsche zählt nicht, da lauern ständig Arbeiten anderer Art – ich sag nur: Giersch).

Das möchte ich auch: einen so hübschen Shed/Schuppen im Grünen.

Shedworking gibts jedoch auch in urban.

Shedworking gibts jedoch auch in urban.

Und nun würde mich mal interessieren: Wie arbeitet ihr? Gibts unter euch treuen textanfall-
LeserInnen welche, die ihren Schreibtisch an ungewöhnlichen Orten aufgebaut haben?

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In diesem Jahr jährt sich zum zwanzigsten Mal die “friedliche Revolution” der DDR, die zum Sturz der DDR-Regierung, zum Mauerfall, der ersten freien Volkskammerwahl, diversen Unionen (Währungs-,  Wirtschafts- und Sozial-) und schließlich der Wiedervereinigung führte.

Der Handelskonzern Rewe gedenkt der historischen Ereignisse mit einer Obst-Sonderedition.

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Der Sommer ist da, es ist warm, man läuft mit nackten Waden rum und alle Fenster stehen auf.

Auch in meinem Freelancer-, Kleinunternehmen- und Kreativlingsnest, den Josettihöfen, wo ich mein Büro habe. Oft finde ich es sehr schön, mitzubekommen, dass ich nicht ganz alleine hier hocke und vor mich hinarbeite. Aber heute ist es extrem: schmetternder Volksgesang in Chorstärke, ein melancholisch klingendes Saxophon, vier Stimmen, die was Musicalartiges darbieten und weiblicher Operngesang wechseln sich ab und überlagern sich – alles live und mit der hallenden Akustik eines großen Innenhofs.

Ich komme mir ein bißchen so vor, als würde ich im Inneren eines großen Radios sitzen, an dem jemand ständig den Senderknopf dreht. Ich höre es das erste Mal, mir war gar nicht klar, dass es so viele Musikschaffende hier gibt. Hm, ich habe in meinem alten Büro eine Schauspielschule als Nachbar gehabt, dann wird mich das Leben im Radio auch nicht weiter affizieren.

Edit: Ein Tag später. Heute alles wieder ruhig, bis auf normale Bürogeräusche.

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