Bisher habe ich Foers Fleischkritikbuch und Duves Ess-Selbstversuch-Buch links liegen lassen. Ich denke auch ohne diese Lektüre nicht gerade selten über Essen nach. Nicht nur über konkrete Gerichte, den Lunchbreak, die nächste Verlockung oder wo ich eine besondere Zutat herbekomme. Sondern vor allem über die Bedeutung von Essen jenseits seiner lebenserhaltenden Funktion. Welchen Rang Essen in “unserer Gesellschaft” so hat. Wie Individuen das Essen sehen. Wie verquer unser Verhältnis zum Essen ist. Essen ist Lebensnotwendigkeit, trotzdem wissen offenbar immer mehr Menschen immer weniger über Lebensmittel. Gestiegene Qualitätsansprüche und bewußter Nahrungskonsum stehen neben industriell erzeugtem Nahrungsschrott (die armen Tiere!). Glauben sollen wir, dass die Zubereitung von gutem Essen unglaublich aufwändig sei, weswegen wir vorfabrizierten Convenience-Mist dringend bräuchten. Gleichzeitig ist gutes Essen Genuss und außerdem ein Mittel der sozialen Distinktion. Für viele Menschen ist kulinarischer Genuss aber auch unglaublich problematisch, fast unmöglich. Essen ist mit Schuldgefühlen verbunden und etwas, das man unbedingt unter Kontrolle halten muss. Mit Kalorienlisten, Esstagebüchern, Punktezählerei. Essen und Körper(selbst-)disziplinierung sind nicht zu trennen. Ich würde sagen, gesamtgesellschaftlich ist unser Verhältnis zu Essen mindestens genau so verkorxt wie das zu Körpern und zu Sex.
Lieblose Küche sorgt für Lebensqualitäts-Verlust
Mir ist erst in den letzten Tagen aufgegangen, wieso mich dieses Thema jüngst so stark beschäftigt. Während ich ehedem eine interessierte und halbwegs kenntnisreiche Köchin, begeisterte Gastgeberin und lustvolle Esserin war, hatte sich meine eigene Einstellung zu(m) Essen während des letzten Jahres unmerklich gewandelt. In meinem Kopf haben sich Sätze festgesetzt wie “dauert zu lange”, “mach ich mal bei einem besonderen Anlass”, “Essen macht dick”, “ich hab Wichtigeres zu tun” (was? Serien gucken?) und “macht jetzt zu viel Arbeit”. Insgeheim empfand ich mein Bedürfnis zu essen als lästig, gar gefährlich (Hüftspeck, dick und ungeliebt enden etc). Ich habe schnell und pragmatisch Standards aus meinem Repertoire gekocht, aus Vernunft, nicht aus Freude oder Esslust. Was für ein großer Lebensqualität-Verlust!
Das alles dämmerte mir erst allmählich; nach diversen Unterhaltungen mit FreundInnen und beim Lesen des smarten und mundwässernden Blogs von Anke Gröner, das mich wirklich beflügelt hat. Worum geht es da? Unter anderem darum: Mlle Gröner hat ihre frühere, offenbar nicht einfache Beziehung zum Essen revidiert, die Lust am Kochen und Essen entdeckt und da wirft sie sich nun mit Schmackes rein. Und bloggt darüber. Erst bei dieser Lektüre fiel mir auf, wie schlecht mein eigenes Verhältnis zum Essen geworden ist. Dass ich zu wenig Gutes koche und esse, war mir klar, das ganze Ausmaß nicht. Wie das passiert ist, ist eine zu lange Geschichte. Dabei bin ich eigentlich davon überzeugt, dass man schöner, gesünder und glücklicher wird, wenn man sich so oft wie möglich kocht, was man grade essen möchte. Der Körper weiß schon. Und Essen ist nicht der Feind. Gutes, selber gekochtes Essen ist toll!
Vorsatz für 2011
Ich weiß jetzt auch. Ich will viel kochen. Ich will gute Sachen essen. Und ich will Vielfalt. Ich will in diesem Jahr möglichst viele neue Zutaten und Rezepte ausprobieren, die ich noch nie gemacht habe (solange es mir Freude macht, werde ich die Ergebnisse hier verbloggen). Bin gespannt, wie viele neuen Gerichte ich in einem Jahr schaffe. Aber das soll kein Wettbewerb werden, sondern eine Lust-, Genuß- und Spaßveranstaltung. Den Einkaufs-, Koch- und Essspaß lass ich mir von körper- und genußfeindlichen Diskursen nicht mehr vermiesen!
PS: Mein zweiter Vorsatz für 2011: Weniger Sätze mit Trenn- und Bindestrichen.
Aufmerksame Leserinnen und Leser des textanfall wissen, dass ich eine Schwäche für Schriftgestaltung habe. Über diverse Umwege, die in Zusammenhang mit meiner demnächst endlich einmal gelauncht werdenden Business-Website stehen, bin ich auf Tüpo gestoßen. Unter diesem Namen vertreibt Tanja Huckenbeck (Schöner Nachname, BTW. Tanja, gibs zu, bist du Westfälin?) typografische Objekte: Hocker, Taschen, Kissen und Anderes. Besonders die Hocker gefallen mir sehr.
Wenn ich einmal im Lotto gewinne, schenke ich meiner lieben Freundin Andrea von vitamin a design ein solches “a”. Bis dahin tun’s vielleicht die Tüpo-Schlüsselanhänger – als Weihnachtsgeschenk für Lieblingskunden sind sie jetzt vorgemerkt. Passt doch für eine Texterin, meint ihr nicht?
Das Berliner Duo Stereo Total mit seinen verschrobenen, knarzenden, flotten kleinen Liedchen hat einen festen, unverrückbaren Platz in meinem Herzen und auf meinem iPod. Gegen Weihnachtsschwermut und zum kurzzeitigen Ausspannen von Familienirrsinn empfehle ich den berühmten Beziehungsdistanz-Schlager “Du bist schön von hinten”:
Klicken, um die Lyrics zu lesen (und mitzuträllern).
Nach dem Break gibts noch eins, da hört man Françoise dann auch Englisch singen!
… in einem: das kann nur Christof Niemann in seinem wunderbaren Blog “Abstract City”. Der aktuelle Beitrag, pah, was rede ich, das aktuelle Geschenk heißt: Let It Dough! Und wer nicht dahin klickt, verpasst was und hat selbst Schuld.
PS: Niemann gibts nicht nur im www, sondern auch auf Papier. Hier kann man sich Drucke und Bücher ansehen (und bestellen). Ich erwäge.
Ich schreibe sehr viel. Schreiben ist mein Beruf. Nicht immer benutze ich dafür einen Computer. Wenn besonders flüchtige Gedanken festgehalten werden müssen – also Ideen, erste Entwürfe, Ahnungen, Intuitionen, Formulierungen – schreibe ich mit der Hand. Der Weg zum Computer wäre ein viel zu langer Umweg, ich würde den Gedanken verlieren. Spätestens, wenn mir der Cursor entgegenblinkte, wäre mein Hirn ebenso leer wie das weiße Textdokument vor mir. Ich brauche also Stift und Papier, um zu arbeiten. Welcher Stift das ist, steht fest: ein alter Steno-Füller der Marke Pelikan, ich habe ihn mir gekauft, als ich in meine erste eigene Wohnung gezogen bin, das war vor über zwanzig Jahren. Wir sind wunderbar aneinander gewöhnt, er und ich. Wenn ich ihn in der Hand habe, bekomme ich auch zarteste Gedankenknospen leicht aufs Papier. Beim Papier bin ich auch wählerisch, aber nicht so festgelegt. Konzepte schreibe ich meist auf lose A4-Bögen, gerne auch auf welche, die vormals einem anderen Zweck dienlich waren, das befreit vom Zwang zur Perfektion. Paradiesisch, als ich in der Nachbarschaft einer Druckerei arbeitete und dort großzügig mit Fehlbedrucktem beschenkt wurde. Lange schrieb ich auf der Rückseite falsch gedruckter Noten, an die crèmefarbene Glätte des Papiers denke ich heute noch manchmal.
Das ideale Notizheft
Notizhefte brauche ich aber auch! Für Ideen und Konzepte, die nicht so schnell in die digitale Form überführt werden, die reifen müssen und mich längere Zeit begleiten. Für Kleinnotizen, die auf Zettelchen sonst verloren gingen. Auf Reisen. Und Notizbücher und -hefte sind ein schwieriges Thema. Auf keinen Fall dürfen sie zu repräsentativ aussehen. Buchbinden kann ich sowieso selbst, da brauche ich keine fünfunddreissig Euro in einem “reiche-Weiber-Schreibwarenladen” (Max Goldt) hinzulegen. Außerdem hemmt mich die buchbinderische Prachtentfaltung, und transportabel sind diese Renommierbrocken kaum. Damit es für mich funktioniert, muss das Notizbuch Arbeitsgerät-Appeal haben. Die Seiten sollten liniert sein, der Linienabstand darf gerne etwas enger sein als normal, um meine große Handschrift etwas in Schach zu halten. Ganz wichtig: die Lineatur darf nicht zu dunkel sein. Getöntes Papier mag ich lieber als weißes. Bei den Covern bin ich nicht so zimperlich: weiche fassen sich besser an, harte geben eine gute Unterlage beim Schreiben unterwegs – beides ist gut. Die Hauptsache, das Heft lässt sich gut aufklappen.
Im Prinzip habe ich mein ideales Notizgerät schon gefunden. Der Hersteller heißt Whitelines, kommt aus Schweden, und die Idee ist genial: hellgrau getöntes Papier mit weißen Linien. Gibts in diversen Größen und Bindungen, bezahlbar auch. Jedoch, ach und weh: Das komplette Whitelines-Sortiment ist nur in einem Schreibwarenladen am anderen Ende der Stadt erhältlich!
Suche nach dem zweitbesten Notizheft
Deswegen nahm ich einen mittäglichen Nachdenk-Spaziergang zum Anlass, um in einigen vielversprechenden Geschäften in der Nachbarschaft nach Alternativen zu schauen. Ich fand aber keine. Nach einigem Winden griff ich zu einem Heft von Moleskine. Ich wollte diese Marke immer vermeiden, deren Legendenmarketing finde ich penetrant und die Machos Picasso und Hemigway, die angeblich bereits mit Moleskines gearbeitet haben, sind nicht grade die Testimonials, die mich vom Hocker reißen (darf man das eigentlich überhaupt, einfach so mit Toten werben?). Doch das Heft hatte ein gutes Format, ein angenehmes Cover, schöne runde Ecken und ein transportfreundliches Gummizugband. Ich war zufrieden, über den neuen Gedankenbehälter und meinen markenressentiment-befreiten Pragmatismus beim Kauf.
Den ich fünfzehn Minuten und eine Notiz später schon bedauerte. Ich stellte fest, dass sich das “legendäre Notizbuches der Künstler und Intellektuellen der vergangenen zwei Jahrhunderte” (Moleskine-Eigendarstellung) legendär schlecht mit Füller beschriften lässt: die Tinte läuft aus und schlägt durch. Schrieben van Gogh, Picasso und Hemingway mit Kulis? Oder muss man sich doch an den berühmten Reisenden Chatwin halten, der ebenfalls als Moleskine-Testimonial bemüht wird? Chatwin, von dem ich nur ein Buch gelesen habe, aus dem ich exakt einen Satz erinnere. Wie er vergebens versucht, in Paris sein Lieblings-Notizbuch zu kaufen. Und die Verkäuferin sagt zu ihm: “La vraie moleskine n’existe plus.” – “Das echte Moleskine gibt es nicht mehr.” So wird es wohl sein. Das Remake mit dem ausgeborgten Marken-Mythos ist jedenfalls nicht so der Hit.
Was mache ich jetzt mit meinem angefangenen Heft? Mit Kugelschreiber kann ich nicht denken.
PS: Das allerallerbeste Notizheft der Welt ist von Smythson. Ich bekam mal eines geschenkt. Das mit Abstand beste Notizheft, das ich je hatte. Es verbindet Luxus und Arbeitsgerät-Appeal: Glattes, dünnes, füllerfestes Papier in zartblau mit perfekter Lineatur. Es raschelt köstlich und beschreibt sich perfekt. Silberschnitt! Und ein strukturierter weicher Lammledereinband mit Silberprägung. Leider zu wahrhaft königlichen Preisen, daher als Alltagstool ungeeignet.
Heute musste ich die Post mit dem Rollwagen ins Büro schaffen: vier schwere Pakete mit Belegexemplaren meines neuen, aktualisierten und gänzlich überarbeiteten Buches
trafen ein. Ich freue mich sehr! Ein so umfangreiches Buch zu aktualisieren, ist trotz meiner Erfahrung und Routine ein Kraftakt.
Mir gefällt nicht nur die neue Photoshop-Version CS5 ausnehmend gut. Auch das Buch ist wirklich klasse geworden, finde ich. Das darf ich sagen, weil ich damit ausdrücklich auch das Galileo-Team (meine Lektorin, aber auch den Setzer und die Korrektorin) meine. Die haben alle ihren Anteil daran! Mit meinem Teil der Arbeit bin ich auch sehr zufrieden. Ich habe jede der über 1000 Seiten geprüft und aktualisiert, alle neuen Funktionen eingearbeitet, einige neue Schritt-für-Schritt-Workshops geschrieben, alte Workshops verbessert und außerdem einige lang gehegte Ideen umgesetzt, um Photoshop-Usern ihre Arbeit weiter zu erleichtern.
Meine Leser sind offensichtlich auch froh, dass das Buch endlich da ist: Bei amazon liegt das gewichtige Nachschlagwerk derzeit auf Rang 460 – ich konnte es kaum glauben. Und freue mich auch darüber.
Im Englischen werden nicht nur Pferde, sondern auch Fahrräder “geritten” – für beides verwendet man dasselbe Verb. Wie sich das in der koreanischen Sprache verhält, weiß ich indes nicht. Sehr schön finde ich jedoch diesen aus Korea stammenden Beitrag zum Thema Pimp My Ride. Großartig!
Und textanfall ist mein Text-Schaufenster, Experimentierfeld und Werkstattbericht. Hier gibt's bereits Veröffentlichtes und neue Themen. Tipps zum Handwerk und interessante Fundstücke aus dem Netz und dem Leben. Kurz: Dinge, die mich interessieren. Und hoffentlich auch die gewogenen Blogbesucher.