Man sagt ja immer, die Jugend hätte sich hemmungslos den sozialen Medien ergeben und würde darob verrohen und verblöden . Das ist aber nicht so. Es gibt durchaus auch Kritik aus den Kreisen junger digital natives. Die zum Beispiel so originell und kreativ geäußert wird wie in dieser Performance. Viel Freude mit 4 Sekunden Video.
Die Musik zum Video ist auch sehr schön, es handelt sich um das Stück Kule Kule (Orchestral Version) von Jherek Bischoff. Der Kerl, der diese Animation gebastelt hat, heißt Tim Wheatley. Er studiert Animation und hat auch schon einen Preis gewonnen. Und wer sich fragt, wie hat der das gemacht mit dem Fahrradfelgenfilm, kann auf das Cyclotrope-Blog klicken, da gibt es unter anderem verschiedene Making-Of-Filmchen. Sehr interessant.
Animationsfime zu machen ist ein ähnlicher Zeitfresser wie Comics zu zeichnen. Mir wird das Herz weit, wenn ich an all die Leute denke, die sowas mit stoischer Geduld und Blick fürs Detail und Begeisterung machen, und dabei oft nicht mal viel Geld verdienen – einfach so. Weils schön ist. Weil sies müssen. Oder unbedingt wollen. Herrlich.
So ganz ungelobt gehe ich nicht durchs Leben. Manchmal bekomme ich Mails von begeisterten Lesern oder Workshopteilnehmern, denen ich das eine oder andere Glühbirnen-Erlebnis verschafft habe. Redakteuren gefallen meine Texte in der Regel und manchmal sagen sie’s auch. Meine Kunden freuen sich über leserfreundliche, anschauliche Webtexte, Pressemeldungen und Anderes, und deren Kunden dann hoffentlich auch.
Aber heute flatterte mir die beste Fanpost ins Mailpostfach, die ich je las. Die Kurzform: Inhaltlich interessiert mich dein Blog eigentlich gar nicht, aber ich habe es trotzdem gelesen, weil es so gut geschrieben ist. Ist das nicht das beste Texterlob, das man sich denken kann? Yesss, genau so will ich immer schreiben! Damit das passiert. Ich mit meinen Texten Leute interessiere und in den Bann schlage.
Mit Erlaubnis des Verfassers hier der leicht gekürzte Originalwortlaut. Weil ich mich so gefreut habe. Und weil es wirklich ein Ansporn ist, gut zu schreiben – nicht nur für mich, sondern hoffentlich auch für Kolleginnen und Kollegen. Und ein Plädoyer für professionelle Texte von Leuten, die ihr Handwerk verstehen.
Hallo Sibylle,
du hattest auf dem *****-Blog den Beitrag über die ***** kommentiert. […] Deinen Blog habe ich mir kurz angesehen, bin dann länger hängengeblieben. Nicht wegen der Inhalte. Die sind für mich – mit Ausnahme der *****themen – nicht interessant. Aber der Schreibstil. So gut konsumierbare Beiträge habe ich bisher nicht gesehen. Konsumierbar meine ich dabei nicht im kapitalistischen Sinne. […] Bei Dir sehe ich die Freude am Schreiben und Beschreiben. Die sehr kurzen Sätze machen Spaß. Die Hervorhebungen lassen den Text schnell erschließen. Der Satzbau ist abwechslungsreich. Zwischenüberschriften strukturieren gut. Ich sehe viele gut gewählte und interessante Adjektive. […] Dann habe ich deinen Stil gesehen und mich gefreut. Weil er mir sehr gut gefällt. Bei all den Aus- und Fortbildungen für Online-Schreiber: so gut umgesetzt gesehen habe ich es bisher nicht.
Immer im Mai treffen sich die Frauen aus meinem Texterinnen-Netzwerk, dem Texttreff, in einer zum Seminarhaus umgebauten Mühle im Wendland. Ich bin mit dem Rad hingefahren, von Berlin aus. Auf direktem Weg sind es etwa 250 km, ich bin auf dem Havelradweg gefahren und ab Havelberg auf dem Altmarkrundkurs. So kamen 280, 290 km zusammen. So genau habe ich es noch nicht zusammen gerechnet. Spaß hat es gemacht, ich habe fast jeden Meter mit dem neuen Rad genossen und am liebsten würde ich nächste Woche schon wieder losfahren. Ich merke grade, ich kann heute gar nicht so gut schreiben. Eigentlich will ich sowieso nur ein paar Fotos einstellen. Die gibts nach dem Break.
Gleich noch ein Hinweis in Sachen Honig. Meine Textkollegin Dorothee Köhler ist ja schon einen Schritt weiter als ich: sie braucht nicht mehr so viel über Honig schreiben, sie imkert selbst! Die Honige ihrer Honig-Faktorei kann man nun auch online bestellen. Ich durfte schon einmal welchen kosten und kann die leckeren Honig-Cuvées nur empfehlen (und ich bin da wählerisch, glaubt mir!). Also, schnell klicken und sich einige Gläser sichern!
Für die taz durfte ich wieder einmal etwas über Bienenhaltung schreiben. Nach meinem Artikel über Stadtbienen ging es diesmal um eine nahezu archaische Imkereitradition, die Zeidlerei.
Die uralte Imkereitradition der Waldbienenhaltung kommt der natürlichen Lebensweise der Bienen nahe – im Schlosspark Freudenberg bei Wiesbaden wird sie nun wieder lebendig
Wohl jeder Imker, jede Imkerin will, dass es den Bienen gut geht. Nicht nur mit Blick auf den Honigertrag oder gar den Fortbestand des Volkes. Sondern auch, weil die Arbeit solche Freude macht. Wer imkert, sorgt und kümmert sich um seine Bienen. Honigbienen, deren Haltung den Demeter-Grundsätzen folgt, haben wohlmöglich ein noch schöneres Leben als ihre Artgenossen. In jedem Fall aber eines, das ihren ursprünglichen Verhaltensweisen eher entspricht. „Wesensgemäß” ist das Schlüsselwort. Im Frühsommer etwa, wenn die Populationsdichte zu groß geworden ist, dürfen Demeter-Bienen schwärmen und neue Völker bilden. Die Königinnen können sich im Stock frei bewegen. Beides wird in der konventionellen Imkerei meist verhindert, weil die Honigausbeute dadurch geringer und ein wenig komplizierter wird. Ihre Waben bauen die Bienen dann nach eigenem Bauplan, ohne vorgefertigte Mittelwände. Als Lohn für die Mühen dürfen sie einen Teil ihres Honigs als Wintervorrat behalten.
Der Mann, der diese Regeln für bienengerechtes Imkern – zusammen mit einigen Kollegen – entwickelt hat, heißt Robert Friedrich. Vor 30 Jahren fing er mit der Imkerei in einem städtischen Hinterhof an, inzwischen hat er rund 100 Völker an verschiedenen Standorten. Seine Arbeit und die Bienen liebt er. Und hat sich bei aller Erfahrung die Begeisterung erhalten – die er auch an andere weitergeben will. Einige seiner Völker befinden sich im Schlosspark Freudenberg, wenige Autominuten von der Wiesbadener Innenstadt entfernt. Der Ort ist ein besonderer: seit Anfang der Neunziger Jahre werden Park und Schlösschen zu einem Kunst- und Erlebnisort umgestaltet. Der Umbau ist noch lange nicht abgeschlossen. Doch Schloss und Garten sind keine triste Baustelle, sondern ein lebendiger sozialer Ort. Robert Friedrich ist seit langem dabei und versucht Bienen und Menschen einander näher zu bringen. Seine Tiere umsummen die Besucher des Schlosscafés, es gibt dort Bienenkurse und die Möglichkeit zum Honigschleudern oder Kerzenziehen.
◀ Zeidlerei in einer alten Grafik (Klicken macht das Bild größer). Links wird eine Höhlung in den Baum gestemmt, rechts sieht man die Honigernte. In der Mitte ist eine Klotzbeute zu erkennen. Der stolze Armbrustträger verweist auf die Privilegien der Zeidler: sie durften Waffen tragen und hatten eine eigene Gerichtsbarkeit. Die Bewaffnung war notwendig, um sich gegen andere Honigliebhaber – i.e. Bären – zur Wehr zu setzen. Die Privilegien der Zeidel-Zünfte sind auch ein Hinweis darauf, wie bedeutsam die Bienenprodukte Honig und Kerzenwachs im Mittelalter waren.
Bienen im Baum – wie im Mittelalter
In diesem Jahr unternimmt Robert Friedrich im Freudenberger Schloßpark etwas Neues – oder etwas ganz Altes, je nach Sichtweise: mit zwei Völkern will er die Waldbienenhaltung erproben, die Zeidlerei. Dabei werden Bienen nicht in Körben oder Kästen gehalten, sondern in Höhlungen lebender Bäume. Diese Form der Bienenhaltung hat bei uns eine lange Geschichte: Der früheste Beleg für Zeidlerei stammt aus dem 8. Jahrhundert, bis vor etwa 150 Jahren wurde sie noch praktiziert. Besonders in der Gegend rund um Nürnberg war die Zeidlerei verbreitet. Sie bescherte der Stadt Süßes im Überfluss und die Erfindung des Nürnberger Lebkuchens – geeignete Gefäße für die langfristige Lagerung gab es damals noch nicht, Honig musste bald verarbeitet werden.
Der Imker als Forscher
Mit seinem Zeidlerei-Projekt erfüllt sich Robert Friedrich einen lang gehegten Herzenswunsch. „Ich habe mir schon vor zwanzig Jahren eine polnische Dissertation zum Thema übersetzen lassen”, sagt er. „Nun habe ich endlich Kapazitäten, das umzusetzen”. Sein Auszubildender hat eine Kiefer und eine Edelkastanie für die Bienen vorbereitet. Ins Innere des Stammes wurde eine etwa 40 Liter fassende Höhlung gehauen, ein hoher Schlitz dient als Verbindung nach draußen. Ein gesunder Baum kann das verkraften, weil die wichtigen Leitungsbahnen nicht im Kern des Stamms, sondern im äußeren Bereich verlaufen. Zusätzlich wurden die Bäume intensiv gepflegt, um sie zu stärken. Noch ist keine Biene eingezogen. Friedrich wartet jetzt darauf, dass seine Völker schwärmen, etwa Ende April wird das passieren. Der Schwarm – die Abspaltung eines zu groß gewordenen Volks – wird dann eingefangen und, wenn alles glatt geht, in der Baumhöhle einlogiert. Zwingen kann man die Bienen nicht. Allerdings stehen die Chancen gut, dass ihnen das zugedachte Quartier gefällt: Baumhöhlen sind ihre natürliche Wohnstatt. Was zu tun ist, wissen sie. „ Die Bienen machen sich dann wohl als erstes daran, die Baumhöhle mit Propolis auszukleiden. Bei der Kiefer nutzen sie sicherlich auch Baumharz dazu”, prognostiziert Friedrich. Aber was wirklich noch auf ihn zukommt, weiß der Imker noch nicht. „Wir müssen alles neu lernen. Das ist ein Abenteuer!” Doch Robert Friedrich will nicht nur seinen Forschergeist befriedigen. Er denkt auch an die Parkbesucher. Die sollen den Baumbienen zusehen. Zwar sind die Baumhöhlen recht hoch angelegt, denn Bienen leben am liebsten in rund drei Metern Höhe. Doch gibt es bereits Podeste und auch Guckfenster wurden eingebaut. Wenn alles gut geht, gibt es im Juni oder Juli den ersten Honig.
Heinz Ruppertshofen: Der summende Wald. 1995, Kosmos-Verlag
Frank Schlegtendal: Warum der Deutsche Zeidlerbund e.V. gegründet werden musste und seine Aufgaben.
Danke an Andrea Schäfer von der Pressestelle des Deutschen Imkerbundes, die mir diese beiden Literaturhinweise aus der DIB-Bibliothek herausgesucht hat.
Ich fühle mich, als wäre mein Haustier gestorben. Dabei habe ich gar kein Haustier. Ein Fahrrad allerdings auch nicht mehr. Vorgestern verschwand mein Stevens-Rad – Stahlrahmen, klassische Diamant-Rahmengeometrie, gut gepflegt – aus meinem Hof. Das sauber durchtrennte Schloss haben die Diebe da gelassen. Ich fuhr es seit 2002 und wollte es eigentlich noch so lange benutzen, bis ich zu alt bin, um drauf zu kommen. Ich habe es sehr gemocht. Eigentlich will ich es wiederhaben, aber das wird wohl nichts. Bis ich einen neuen zweirädrigen Gefährten gefunden habe, tröste ich mich mit diesem Video!
“The Bike” von Alex Marco. Via. Interessant ist auch, dass dies kein “Videoclip” in unserem Sinne ist, sondern ein Scopitone-Filmchen. Das waren Jukeboxes mit Bewegtbildern!
Update
Der schreckliche fahradlose Zustand ist beendet. Ich bin jetzt offiziell in einen Haufen Stahlrohre verliebt … Ja, weiter »
Wer einen Garten oder auch nur einen Balkon besitzt, braucht nun nicht mehr länger untätig mit den Hufen scharren. Der Frühling kommt mit Macht, erste Gartenarbeiten können in Angriff genommen werden. Und machen viel Spaß, denn die Sonne wärmt lind den Pelz. Am kommenden Wochenende findet im Botanischen Garten der fast schon traditionelle Berliner Staudenmarkt statt. Dort kann man Nutz- und Zierpflanzen ansehen, beriechen, bestaunen und kaufen, erhält kostenlosen Expertenrat zu diversen Themen und Informationen zu anderen garten-nahen Themen. Und überhaupt ist das ein schöner Saisonauftaktstermin für Pflanzophile! Das Wetter soll am Wochenende wunderbar werden: Samstag sind bis zu 24 Grad und Sonne vorhergesagt. Schwerpunktthema in diesem Frühjahr sind alpine Pflanzen – also was für Steingartenliebhaber - es gibt aber auch ganz Handfestes wie etwa Tomaten oder interessante Neuigkeiten vom urbanen Gärtnern: Projekte wie der Prinzessinengarten stellen sich vor.
Berliner Staudenmarkt
2. und 3. April 2011
im Botanischen Garten in Berlin-Dahlem
Geöffnet 9 bis 18 Uhr
Wer denkt sich sowas aus? Mir fehlen die Worte, so schön ist das.
Gefunden wurde der Zettel von einer mir nicht näher bekannten Ulrike,
ich habe das Bild bei Notes of Berlin entdeckt. Da gibt es noch mehr Laternenzettel zu sehen.
Und textanfall ist mein Text-Schaufenster, Experimentierfeld und Werkstattbericht. Hier gibt's bereits Veröffentlichtes und neue Themen. Tipps zum Handwerk und interessante Fundstücke aus dem Netz und dem Leben. Kurz: Dinge, die mich interessieren. Und hoffentlich auch die gewogenen Blogbesucher.