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Neues von Linda

Selbst wenn man keine eigenen Kartoffeln anbaut, lohnt sich die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Sorten und der weitere Weg zum vertrauenswürdigen Kartoffelhändler. Denn die 2,5-Kilo-Plastikbeutel vom Supermarkt taugen oft nichts. Gute Kartoffeln jedoch sind ein einfaches, zufriedenstellendes kulinarisches Vergnügen.

Die politische Dimension des Kartoffelanbaus konnte man in den vergangenen Jahren am Beispiel der Kartoffelsorte Linda (siehe Bild) kennenlernen. Dabei gab es Anfang diesen Jahres erfreuliche Neuigkeiten.

Linda ist vermutlich eines der berühmtesten Gemüse hierzulande. Denn sie hat es, ganz ohne klassischen Lebensmittelskandal, in die Tagesschau, die Blogosphäre und in Rundfunk und Presse geschafft. Es ist nämlich so, dass das Patent für die Sorte Linda schon 2004 ausgelaufen ist. Die Saatgutfirma Europlant, die das Patent hält, konnte danach kein Geld mehr mit Linda verdienen, weil nun jeder Lindakartoffeln züchten und vermehren darf. Deswegen hat Europlant die Linda beim Bundessortenamt kurzerhand abgemeldet. Damit durfte die Kartoffelsorte weder als Saatgut noch als Nahrung gezüchtet und vertrieben werden.

Das rigorose Vorgehen gegen die leckere, zu Recht beliebte Kartoffelsorte rief jedoch viele Proteste auf den Plan, so dass es erst einmal eine Schonfrist bis 2007 gab, in der Linda wie gewohnt angebaut und verkauft wurde. Danach sah es so aus, als sei Lindas Ende tatsächlich gekommen – die anstehende Neuzulassung beim Bundessortenamt scheiterte.

Anfang diesen Jahres nahm das Ganze dann doch noch eine gute Wendung. In England ist die Sorte Linda nämlich bereits seit 2009 wieder zugelassen. Und weil im EU-Recht tendenziell eine Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedsländer angestrebt wird, darf Linda nun auch bei uns nicht mehr verboten sein. Daher wurde im Februar 2010 dem erneuten Antrag auf Linda-Zulassung beim deutschen Bundessortenamt stattgegeben. Jetzt heißt es auch bei uns: Beet frei für Linda!

Links für Kartoffelgourmets

  • Wer keinen Markt oder akzeptablen Kartoffelhändler in der Nähe hat, findet gute Knollen auch im Internet. Tartuffli bietet alles für den fortgeschrittenen Kartoffelliebhaber. Zahlreiche Sorten zum Bestellen, Portraits von Anbaugebieten und Arten, Rezepte und Bücher.
  • Der Biolandhof Jeebel hat alles in Bio.
5 comments
  1. Berlinessa_in_NY says: 6. Mai 201005:40

    Zitat: “Gute Kartoffeln jedoch sind ein einfaches, zufriedenstellendes kulinarisches Vergnügen.”

    Damit ist alles gesagt. :-)

    Lustig, dass die Kartoffeln überall anders heissen. Was dem Deutschen die Linda, ist dem Ami die Yukan-Gold-Knolle.

  2. Sibylle says: 6. Mai 201008:58

    Und, schmeckt die Yukan Gold? (Lustiger Name!)

  3. Berlinessa_in_NY says: 7. Mai 201018:37

    Also mich haut’se nicht um, die Yukan Gold. Eher so Wald- und Wiesenkartoffel.

    Aber hier gibt’s schon auch ein üppiges Angebot in allen Formen und Farben und Grössen. Aber hier gibt’s eben keinen Quark und was will ich mit der Kartoffel, wenn ich keinen Quark habe?

  4. Monika says: 7. Mai 201019:46

    Für mich geht nichts über Sieglinde. Muss eine Sozialisationsgeschichte sein – die Sieglinde hat meine Mutter auch schon immer zum Spargel gemacht.

  5. Sibylle says: 8. Mai 201012:37

    @ Berlinessa: Was, keinen Quark – gibt es in NY nicht für jede Ethnie spezielle Versorgungseinrichtungen?! Dann sicher auch kein Leinöl. Schlimm!

    @ Monika: Ja, interessant, wer hätte gedacht, dass die erdige Knolle so viele Emotionen weckt.

    Als Anekdote fällt mir noch ein, dass es in England im 18. Jh ein berühmtes Rennpferd gab, welches den Namen “Kartoffel” trug. Also, auf englisch natürlich. Geschrieben wurde der: Potoooooooo (Pot-eight-o).

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