❧  textanfall

I ♥ my AeroPress

Wenn eine Frau zu einem ihrer Haushaltsgegenstände herzliche Gefühle entwickelt, wenn dieses Utensil irgendwie länglich-schlank ist und seine Handhabung, nun ja, sowas wie eine Pumpbewegung einschließt – dann ist das sehr schön für sie und im Regelfall wird sie darüber genießerisch schweigen. Oder allenfalls ihrer besten Freundin was wispern.

Hier ist das ganz anders, ich darf über den Gegenstand meiner Affektion laut reden und sogar bloggen, denn es handelt sich um einen Kaffeebereiter. Er macht einen der besten Kaffees, den ich seit langem getrunken habe. Und ich bin da wirklich sehr mäkelig. Ich hatte jahrelang eine beeindruckende italienische Espressomaschine in Verwendung, ein Zweikreiser, innen alles aus Messing und schwerem Metall, das Profizeug eben. Ich habe mich in Kaffeeforen getummelt, in denen die Rancilio Silvia, eine ansehnliche einkreisige Maschine, die mit passender Mühle mehr als 700 EUR kostet, als Einsteigermodell gehandelt wird. Ich weiß noch, dass ich im April 2006 im innersizilischen Örtchen Linguaglossa, genau in der Bar le Palme, einen Capuccino von außerordentlich guter Qualität getrunken habe. Ich fahre durch die halbe Stadt, um meine Lieblingskaffeesorte zu kaufen und mahle meine Bohnen immer selber. Und so weiter.

Den ersten Hinweis auf das neue Wundergerät, welches mich jetzt so beglückt, fand ich hier. Es hört auf den schönen Namen Aerobie Aeropress, besteht komplett aus Plastik, kostet rund 35 EUR und ist nicht sonderlich dekorativ. Es hat jedoch was von Mad-Professor-Laboratorium, das gefällt mir. Und es ist sehr durchdacht.

▲  Von oben li. im Uhrzeigersinn: Rühren – Pressen – Abnehmen – mit Milch oder Wasser verdünnen.
Auf den Bildern sieht das Ganze etwas messy aus, ist es in Wirklichkeit aber nicht.

Das Prinzip ist einfach: Wasser kochen, Filter anschrauben, Kaffeepulver rein, aufgießen, umrühren, durchdrücken. Nun fragt man sich, was ist so toll daran – ist es nicht einfach eine Kombination aus French Press, Handfilter und Espressohebelmaschine? Ja, ist es. Heraus kommt allerdings der beste Kaffee, den ich … ach so, das hatten wir schon. Die French-Press-typischen Schwebteilchen gibt es nicht. Und der Aerobie-Kaffee schmeckt unglaublich mild und – ja, rein. Ich trinke ihn manchmal sogar freiwillig ohne Milch. Der Geschmack der Bohne ist ganz klar und subtil modelliert zu spüren, ohne Bitterstoffe. Man kann damit starke Shots, Americano und milchige Varianten bereiten. Und durch Mahlgrad, Kaffeemenge, Ziehzeit das Ergebnis gemäß der eigenen Präferenzen fein tunen. Obendrein dauert die ganze Prozedur, mit Bohnen-Mahlen, Zubereiten und Säubern der Presse, drei bis fünf Minuten. – Tschüs, mediokre Kaffeebuden dieser Stadt, ihr könnt mich mal mit eurer Plörrre!

Hinweis: Dieser Beitrag ist nicht werbefinanziert. Der enthaltene Enthusiasmus ist Kaffee-induziert.

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