❧  textanfall

Göttin werden (wenigstens so ein bißchen)

Im Schöne-Dinge-Blog texterella ruft Susi Ackstaller zur Blogparade und fordert die Preisgabe von Schönheitsgeheimnissen. Gerne doch, Madame, ich fühle mich geehrt. Und schreibe:

Frauen sollen und wollen Göttinnen sein, wenigstens ab und zu (wie es sich mit den Männern verhält, weiß ich nicht so genau). Doch wenn man sich auf dem Weg zum göttinengleichen Dasein von der verschönernden Industrie führen lässt, erscheint er unbezwingbar: Nagelhäute müssen erweicht und zurückgestoßen werden, grauenvoll riechende Enthaarungskrem wird aufgetragen und samt der chemisch aufgeweichten Haare weggeschabt, Schlamm, Salz, Öl und Nanoteilchen sollen die Haut abreiben oder nähren, unbotmäßige Gerüche gehören gebändigt, trockene Haarspitzen versiegelt und Falten gesalbt. Wer durch kosmetische Riten zur Göttin werden will, muss durch die Niederungen des Organischen, der Unzulänglichkeit, der unzügelbaren Lüste und Schwächen (in Gestalt von „Problemzonen”). Das klappt doch nie! Hinter jedem Tiegel eine weitere Schwachstelle – das zieht runter, nie war der Olymp weiter entfernt.

Wirkliche Schönheitsgeheimnisse sind einfach und führen nicht durch erdenschwere Jammertäler sondern geradewegs zu Wohlbehagen und Unbesiegbarkeitsgefühl. Ich habe deren drei.

Erstens: Wasser.

Ich liebe und genieße Wasser. Ich trinke wirklich richtig viel davon, das macht das Hirn geschmeidig und die Haut glatt. Ich ziehe die frische Luft dem U-Bahn-Mief vor und radle. In der Sonne, aber auch im Nebel, im Niesel, im Regen und sogar im Schneegestöber: gibt schöne rote Wangen. Ich bade drin, in Waldsee und  Wanne und – jetzt kommt’s – ich sprühe es mir ins Gesicht. Im Sommer, wenn dringend Erfrischung her muss und im Winter, wenn die Heizungsluft sehr trocken ist. Vichy-Wasser gibt’s in Sprühdosen, umweltschädlich und horrend teuer. Ich nehme stattdessen eine kleine Kunststoff-Sprayflasche aus dem japanischen Schlicht-Kaufhaus Muji. Kostet fast nichts und kann mit Vichy-Wasser oder bescheidenem Leitungswasser gefüllt werden, gerne auch mit Rosenwasser oder anderen Duft-Ingredienzien ergänzt. Angenehm, belebend, handtaschenkompatibel.

Zweitens: Der gute Schuh.

Die Malerin Elvira Bach, in deren Werk Schuhe eine Rolle spielen, fragte einmal: „Wie soll denn ohne richtige Schuhe ein Gottesgefühl aufkommen?” (sinngemäß, ich finde das Zitat nicht wieder). Meine Großmutter mütterlicherseits, zeitlebens eine feine und elegante Frau, sagte: „Die Frisur und der Schuh, das muss gut sein. Der Rest ist nicht so wichtig.” Wobei das Maß, mit dem gemessen wird, welcher Schuh gut und richtig ist, natürlich der Anlass ist, zu dem man ihn trägt! Für den urbanen Alltag empfehle ich Trippen. Ich habe drei Paar und liebe, liebe, liebe die! Die Schuhmanufaktur hat berühmte Designpreise gewonnen, Wolfgang Joop und Claudia Skoda mochten schon die erste Kollektion – extravagante Holzschuhe. Inzwischen gibt es längst auch Ledernes. Trippenschuhe werden in Berlin entworfen, in Deutschland und Italien gefertigt, sie sind aus Naturmaterialien, von Hand genäht und folglich astronomisch teuer, aber es gibt einen Outlet. Stücke von Trippen sind manchmal eher Skulpturen als Schuhe, sie sehen im Regal zuweilen zweifelhaft, an den Füßen jedoch toll aus. Und man fühlt sich damit wirklich großartig und will am liebsten die Welt erobern. Zu Fuß!

Kein Trippen-Schuh, sondern der falsche Schuh (für diesen Anlass). Somit ein schlechter Schuh.

Drittens: Charmante Abende – Folgen gekonnt kontern.

Gut gewässert und beschuht kann man sich schließlich in Gesellschaft begeben, zum Zwecke allgemeinen Charmantseins und beflügelnder Unterhaltung. Ich fühle mich dabei meistens wunderbar. Zur Steigerung des Zustandes nehme ich bisweilen das ein und andere funkelnde Getränk zu mir.

Bin ich am nächsten Tag durch aufgedunsene oder dunkel beringte Augen entstellt, kontere ich mit schwarzem Tee. Je einen Beutel Schwarztee (der billige tut’s) gebrüht, leicht abgekühlt und zart ausgedrückt auf jedes zugeklappte Auge. Fünf Minuten warten, sanft abspülen, mit der gewohnten Creme versorgen, fertig. Ist angenehm und hilft wirklich, weil Schwarztee adstringierend wirkt – sprich, sich die kleinen Gefäße rund ums Auge zusammenziehen.

4 comments
  1. texterella says: 24. November 200910:10

    WOW!

    Wasser, ja, davon sollte ich auch mehr trinken. Ich sollte mir vielleicht ein Bild deiner fabelhaft faltenfreien Haut an den Bildschirm pinnen, so als Reminder! ;-))

    Die Schuhe muss ich mir auch gleich mal anschauen!

  2. Sibylle says: 24. November 200910:37

    Den Trippen-Outlet zeig ich dir, wenn du mal wieder in B. bist. Ist nicht weit von unserem Büro ;)

  3. Julia says: 30. November 200919:07

    Oh welch wunderschöne Schönheitstipps! Ich fühle mich schon beim Lesen göttinnengleich, werde morgen, so mein Kollege der Wettergott es zulässt, meine Trippen-Schuhe anziehen und demnächst gepflegt sumpfen gehen, damit ich anschließend die Teebeutelkur angemessen testen kann.

  4. Sibylle says: 30. November 200920:05

    Für morgen ist Regen angesagt, aber Mittwoch wirds sonnig, sagen die FU-Meteorologen.

Submit comment