❧  textanfall

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Kommunikation und Sprache

Diesen wunderbaren Brief fand ich im Blog Letters of Note, das sich bemerkenswerten Korrespondenzen widmet (i.e. sie veröffentlicht). Es handelt sich um ein  Bewerbungsschreiben des – damals noch – Werbetexters und original Mad Man Robert Pirosh für eine Stelle als Drehbuchautor in Hollywood. Später wurde er ein paar Mal für Oscars nominiert, als screenwriter und Regisseur.

Dear Sir:

I like words. I like fat buttery words, such as ooze, turpitude, glutinous, toady. I like solemn, angular, creaky words, such as straitlaced, cantankerous, pecunious, valedictory. I like spurious, black-is-white words, such as mortician, liquidate, tonsorial, demi-monde. I like suave “V” words, such as Svengali, svelte, bravura, verve. I like crunchy, brittle, crackly words, such as splinter, grapple, jostle, crusty. I like sullen, crabbed, scowling words, such as skulk, glower, scabby, churl. I like Oh-Heavens, my-gracious, land’s-sake words, such as tricksy, tucker, genteel, horrid. I like elegant, flowery words, such as estivate, peregrinate, elysium, halcyon. I like wormy, squirmy, mealy words, such as crawl, blubber, squeal, drip. I like sniggly, chuckling words, such as cowlick, gurgle, bubble and burp.

I like the word screenwriter better than copywriter, so I decided to quit my job in a New York advertising agency and try my luck in Hollywood, but before taking the plunge I went to Europe for a year of study, contemplation and horsing around.

I have just returned and I still like words.

May I have a few with you?

Robert Pirosh
385 Madison Avenue
Room 610
New York
Eldorado 5-6024

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“Heute Abend gibts Spankel!”, verkündet frohgemut der italienische Inhaber des Ponte Carlo. Das wird vermutlich ein ganz kleiner Braten, wenn die Silben noch nicht mal fürs Spanferkel reichen.

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Die Stille nach dem Einwahlrauschen war immer so schön. Wenn man dann endlich “drin” war.

Komisch, dass das Neue Medium trotz aller Beschwerlichkeiten (die “Geschwindigkeit”! mit 28-K-Modem!) gleich so faszinierend war für so viele.

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Über Pangramme im Allgemeinen und über das berühmteste,

The quick brown fox jumps over the lazy dog,

im Besonderen hatte ich hier bereits geschrieben. Wer sich mit Typografie beschäftigt oder Sprachspiele mag, kennt sie – Sätze, in denen jeder Buchstabe des Alphabets einmal (und nicht viel öfter) vorkommt. Poliander hinterbrachte mir nun eines, welches mich ungemein amüsiert. Es ist ganz aktuell, passt sehr gut zum allgemeinenen Bionade-Biedermeier-Lästertrend und enhält sogar Umlaute! Gestanden haben soll es in der FAS, eine genauere Quellenangabe hab’ ich nicht. Es heißt:

Xaver schreibt für Wikipedia zum Spaß
quälend lang über Yoga, Soja und Öko.

Toll, oder?

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Dies ist ein Blogpost mit gleich drei Sujets: ein bißchen Sprachkritik, ein bißchen Bericht von meinem Schreibtisch und eine Buch- und Linkempfehlung. Eigentlich soll man Botschaften ja immer schön fokussieren etc., aber da ich die Herrin in meinem eigenen (Blog)haus bin, mach ich das einfach mal so und serviere euch einen Themeneintopf.

Manchmal beneide ich alle, deren Muttersprache Englisch oder Amerikanisch ist. Einige Begriffe sind da einfach treffender, voller und zeitgemäßer. So gibt es Graphic Novels anstelle der – ja, was? Comicromane? Und Infografik heißt Visual Journalism. Bei “Infografik” denkt man ja sofort an dröge Tortendiagramme und fade Balkengrafiken. Der Begriff Visual Journalism klingt nicht nur viel sexier und spannender und relevanter, er gibt auch viel besser die komplexe Arbeit eines Infografikers wieder – wie ich weiß, seit ich Jan Schwochow, den Chef der berühmten Agentur Golden Section Graphics im vergangenen Jahr mal interviewen durfte (der Artikel erschien in der Special-Interest-Zeitschrift Illustrator Aktuell/Service und ist leider nicht online zu sehen). Und wie ich darauf komme? Ich lese und betrachte gerade das tolle Buch The Visual Miscellaneum: A Colorful Guide to the World’s Most Consequential Trivia des Briten David McCandless. Wer sich auch nur im entferntesten für a) Gestaltung b) Infografik und c) Trivia interessiert, wird viel Freude daran haben. Der Autor hat auch eine Website, sie hat den schönen Titel Information is Beautiful, dort kann man sich selbst davon überzeugen, dass, ja, Information etwas sehr Schönes ist.

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Eine ganz und gar subjektive und ungerechte Liste.

■ Designer- als Präfix (22.700 Googletreffer für “Designerlampe”, 106.000 für “Designerstuhl”, 217.000 für “Designerapartment”) – nichts gegen Designer, einige meiner besten Freunde usw. Auch ganz und gar nichts gegen gut gestaltete Möbel, Häuser, Sportgeräte, Elektronikgadgets. Was mich so nervt, ist das Mißverständnis von “Design”, das der Wortverwendung oft zugrundeliegt. Denn “Design” ist nicht alles, was irgendwie schlicht (“reduziert”), verchromt, glänzend und gläsern daherkommt oder von unzähmbarem Gestaltungswillen geformt scheint (so wie die grauenhaften Breetz-Sofas). Design ist, was durchdacht ist und gut funktioniert (beispielsweise das iPod-Clickwheel). Oder was durchdacht und kühn ist (der Einsteinturm in Potsdam etwa, eine bauphysikalische Katastrophe, aber trotzdem bis heute staunenswert schön). “Design” hat ein gestalterisches und funktionales Konzept, “Designer-” hat eine Oberfläche, die bestimmte Merkmale erfüllt. Leider kann man die beiden Begriffe leicht verwechseln. “Designer-”Komposita sind überflüssige Wörter.

■ -farbend, so wie in silberfarbend, rosafarbend etc. – meine Abneigung gegen “-farbend” rührt eindeutig von zeitweilig zu intensivem eBay-Gebrauch her. Selbst Schuld also, aber trotzdem richtig ekelhaft! Wer sowas schreibt, soll nicht noch im Internet Geld verdienen dürfen. Gerne auch in Verbindung mit -optik: “Kommode in Eicheoptik, Griffe messingfarbend”. Schauder.

■ funzt net (43.900 Googletreffer) – Liebe Forennutzer, glaubt ihr wirklich, ich würde mir eine detaillierte, qualifizierte Antwort zu euren PC-, PS-, whatever-Problemen ausdenken und diese auch noch posten, wenn ihr schon zu faul und zu dumm seid, ein paar Silben mehr in eure verschleimten Tastaturen zu hacken? Es heißt: “funk·ti·o·nie·ren”. Ist das so schwer? Wenn euch der Fünfsilber so schlimm überfordert, könnt ihr schreiben: “klappt nicht”, “geht nicht”, “will nicht”.

■ kirre (56.700 Googletreffer) – das arme Wort kann nichts dafür, dass ich mich darüber aufrege. Denn Grund meiner Echauffage ist nicht der Begriff selbst, sondern dessen falsche Verwendung. Denn eigentlich bedeutet es zahm, gefügig (kann man auch als Verb benutzen: “ein Pferd kirren”). Benutzt wird es jedoch immer als Steigerungsform von “irre”. Das kommt mir jedesmal außerordentlich grob und dumm vor.

■ raspelkurz (22.600 Googletreffer) – jaja, das bezeichnet einen Kurzhaarschnitt, schon klar. Aber was heißt das eigentlich? Dass diese Frisur mithilfe einer Raspel geschnitten wird? Dass man sich vor solchen Haaren hüten soll, weil man sich leicht die Finger dran aufraspelt? Und woher kommt dieser Begriff? Hat er sich aufgrund einer lautlichen Ähnlichkeit zu “ratzekahl” (dies wiederum eine Umbildung aus “radikal”) etabliert?

■ stückig (64.700 Googletreffer) – aus der Lebensmittelbranche und wenig appetitanregend. Ich finde, damit wird ein etwas unpassender Assoziationsraum eröffnet. Ließe sich außerdem ohne Verbiegungen einfach anders beschreiben: “mit Fruchtstückchen”, “grob zerkleinert”, “mit Biss” etc. Warum dann also dieses blöde “stückig”? Eigentlich kann ich mir nur eine Verwendung dieses Adjektivs vorstellen, die mich amüsieren würde, nämlich im Bereich der Damenhygiene. “Der Tampon für die stückigen Tage der Periode”, das wär mal was. (Sorry, Leser, da müsst ihr durch jetzt.)

■ wertig (131.000 Googletreffer) – was soll das sein? Eine Steigerungsform von “hochwertig”? Oder soll es bedeuten: “Naja, wenn wir die Ausstattung von xyz als ‘hochwertig’ bezeichnen, das wäre vielleicht doch etwas zu hoch gegriffen für diesen Schrott, also wandeln wir das Wort mal ein wenig ab und schreiben, hmmh, … ja, genau ‘wertig’, das klingt gut”. Also, ich kenne “wertig” außer in Verbindung mit “hoch-” nur noch als  Logikterminus (“zweiwertig“) und als Kompositum aus der Chemie (zum Beispiel “dreiwertig“).

Und was bringt euch so in Wallung, sprachlich?

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Es geht mir schon den ganzen Tag nicht aus dem Kopf: disgruntled customer (etwa: vergrätzter, mißgelaunter Kunde). Schade, dass man es nicht disgruntlled schreibt, sonst wäre der Name des Hardware-Herstellers, der diesen Zustand bei mir zu verantworten hat, im Adjektiv gleich enthalten (rückwärts gelesen). Das wäre doch praktisch.

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O Deutschland, deine Würste! Seit langem gibt es bei der ZEIT Online eine Serie namens Deutschlandkarte. In Form origineller, toll umgesetzter Infografiken bekommt man statistische Informationen zu allerlei kuriosen Themen. Beispielsweise: Wo gibts die meisten Wildschweine (Hessen), wo dreht die deutsche Filmindustrie am liebsten (Berlin vor Köln und München) oder welche kuriosen Namen geben Gemeinden ihren Erlebnisbädern (baff Eberswalde, Schwapp Fürstenwalde und eau-le Lemgo; das Spaßbad Westerwelle im Westerwald ist noch nicht umgesetzt).

Der aktuelle Beitrag befasst sich mit regionalen Wurstspezialitäten und ihren schönen Namen:

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