❧  textanfall

Für Typophile, Reklameliebhaber und Nostalgiker: Buchstabenmuseum

Ladeninschriften aus den dreißiger Jahren auf Fassaden, der Blick auf eine Brandwand mit Reklame aus den Zwanzigern – von der S-Bahn aus zu sehen und immer zu schnell vorbei – wunderbare Blech- und Neonbuchstaben mit der Anmutung der Fünfziger im ehemaligen Ostteil der Stadt, klassisch-schöne Schriften in U-Bahnhöfen … Für typophile Großstadtflaneure ist ganz Berlin ein Buchstabenmuseum. Oder war es: immer mehr der historischen Schriften verschwinden aus dem Stadtbild, werden verschrottet oder übermalt.

Am Samstag war ich im Buchstabenasyl. Bzw. im Buchstabenmuseum. Seit vier Jahren kümmert sich der gleichnamige Verein um die Rettung demontierter Schriften, auch Pläne für ein richtig großes, tolles Museum werden entwickelt. Zunächst einmal gibt es ein Schaudepot, in dem die übermannshohen Typen gestapelt liegen und an den Wänden hängen. Einmal im Monat dürfen interessierte Besucher gucken kommen.  Aufbereitet ist die Sammlung bisher wenig – im Moment ist der kleine Verein eher eine Mischung aus Recycling-Unternehmen und Lager und rettet, was zu retten ist. Ich fand es interessant da. Und vor allem finde ich es erleichternd, dass sich jemand um die alten Schriften kümmert, deren fortschreitendes Verschwinden mich wirklich bekümmert (ich bin ja nicht nur Typoliebhaberin, sondern auch so halb angelernte Werbetechnikerin).

Aktuell kämpft man um die berühmte Zierfischreklame vom Frankfurter Tor. Die Originale der Schrift stammen aus den Fünfzigern, in den Neunzigern wurde nochmals modernisiert. Kürzlich schloss der Aquaristikladen, nun will Buchstabenmuseum e.V. Schriftzug und Neonfische für sich sichern. Spendet, Leute, spendet!

Das Schaudepot befindet sich in der

Leipziger Straße 49
10117 Berlin (Mitte)
U2 Spittelmarkt, Bus M48 und 347
Besichtigung nach Voranmeldung möglich unter verein@buchstabenmuseum.de

Die schönsten Stücke sind auch online zu bewundern.

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