So bin ich eine Leserin geworden
Hier publiziert am 19. Juni 2009 | Schlagwort(e): Bücher Lesen etc |“Lesen? Das geht ein, zwei Jahre gut, dann bist du süchtig” lässt das Cartoonistenduo Greser & Lenz einen leicht heruntergekommen wirkenden Mann mit Säufernase in einer Dorfkneipe seinem jüngeren Gegenüber erklären. Und irgendwie stimmt das auch: wenn man einmal mit dem Lesen richtig angefangen hat im Leben, lässt man’s nicht mehr bleiben.
Ich habe damit angefangen, als ich in der zweiten Grundschulklasse war, also sobald ich’s halbwegs konnte. Was mein allererstes Buch war, weiß ich auch noch: “Drei Dackel im Versteck” von Lise Gast, in Schreibschrift. Das zweite war von derselben Autorin und hieß “Kleines Pony Frechdachs.” Gute Bücher, heute leider nur noch antiquarisch zu bekommen.

Kann sich noch jemand an seine ersten Bücher erinnern? Was war Ihre/Deine Einstiegsdroge in die Welt der Lesenarren?
Oh, das weiß ich noch ganz genau - das waren die Maxi-Bücher von Martha Schlinkert. Handelten von einem Mädchen namens Maximiliane Kellerhaus, deren Eltern Glasmaler von Beruf waren. Absurder geht’s ja nicht. Merkwürdig, was so im Gedächnis bleibt (während ich die Pin für mein Handy ständig vergesse) …
Oh, du liest textanfall? :-)
Die Maxi-Bücher kenne ich gar nicht. Waren sie gut? Die Glasmalerei erscheint doch nur auf den ersten Blick absurd, finde ich. Ich schätze es an Büchern sehr, wenn sie es schaffen, mir fremde Lebenswelten nahezubringen.
Das funktioniert ja durchaus in verschiedenen Genres: Das macht der Dick Francis in seinen Steeplechaser-Krimis, Arno Schmidt zeigt einem (u.A.), wie “Dichter” in den 50ern so leben oder sich zu leben wünschen, Uwe Tellkamp führt einen mit seinem “Turm” in ein Dresdner Villenviertel in der Spätphase der DDR usw.
Also, wenn das Glasmaler-Milieu bei Maxi farbig und lebendig geschildert ist, kann das doch durchaus ein gutes Kinderbuch sein!
Wie du siehst, les ich hier ab und zu rein. Allein schon der Name Textanfall ist ja schon herrlich …
Als Kind fand ich die Maxibücher super. Und die Bummibücher (die ich als Nächstes verschlang, von der gleichen Autorin übrigens) ebenso. Aber ich las im Grunde alles, was ich fand, auch die alten “Elke”-Bücher meiner Mutter und die “Gisel und Ursel”-Serie, was wohl die deutschen Vorläufer von Hanni und Nanni waren. Neulich hab ich übrigens mal den ersten Hanni-und-Nanni-Band auf dem elterlichen Dachboden gefunden, mitgenommen und gelesen. So rein interessehalber. Und: FURCHTBAR! Doofer Stil, altmodische Ansichten, langweilige Story. Was fand ich daran mal so gut?
Ja, uaah, Hanni & Nanni sind gräßlich. Ich fand die damals schon altbacken, glaube ich.
Schon interessant, diese frühen Leseerlebnisse. Ich erinnere mich auch noch, wie ich mich - dann schon etwas älter - durch den bildungsbeflissenen Bücherschrank meiner Eltern gefräst habe. Da gab es manch Buch, das ich gar nicht so richtig verstanden habe, aber bei manchen wußte ich trotzdem schon, “die sind gut”.
Na da warst du mir um einiges voraus, was den literarischen Durchblick betrifft. Ich fand Hanni und Nanni super und hasste es, keine Zwillingsschwester zu haben und nicht aufs Internat zu müssen. Diese Phase wurde übrigens von der Jack-London-Phase abgelöst. Spätestens nach “Lockruf des Goldes” wollte ich nach Alaska auswandern. Parallel las ich Berte-Bratt-Bücher und schrieb ihr sogar mal einen Fanbrief. Entzückenderweise antwortete sie höchstpersönlich, was mich tief beeindruckte …
AAhh, Alaska und die Arktis. Ja, das hatte ich auch. Ich habe im Winter dann auch immer mit den anderen Kindern aus unserer Straße “Amundsen und Scott” gespielt. Scott, der tragische Verlierer beim Rennen um den Pol, wollte niemand sein. Dabei denke ich jetzt, dass er eigentlich der sympathischere von beiden war.
Ich hab immer nur Nordpol gespielt - nie Südpol :-) Aber natürlich sind tragische Verlierer literarisch viel brauchbarer …