Die zunehmende Digitalisierung und Verfacebookisierung der Welt produziert offenbar eine Sehnsucht nach der analogen Ära. “Analog” scheint angesichts des ganzen Publizierens und Teilens von digitalem Plunder schon per se als Qualitätsmerkmal wahrgenommen zu werden. Oder als etwas, mit dem man spielt.
Wir digitalen Einwanderer haben uns über ASCII-Art amüsiert, die digital eingeborene Jugend vergnügt sich mit … der Schreibmaschine. Keira Rathborne jedenfalls machts und nennt das Ganze dann Typewriter Art.
Noch toller find’ ich allerdings, was der Künstler Tyree Callahan macht. Er hat eine Underwood-Schreibmaschine zu einem Chromatic Typewriter umgebaut und kann damit nun auch Farbbilder malen, äh, tippen. Toll. (Danke an Moni, die mich auf diese Fährte gesetzt hat.)
Darüber wollte ich ja schon seit Jahr und Tag mal einen Beitrag schreiben: wie man besser googelt. Viele Nutzer wissen nämlich gar nicht, durch welche smarten Operatoren und Tricks sich die Suchergebnisse verbessern lassen. Man kann gezielt nach Autoren, Dateiformaten oder beschränkt auf eine bestimmte Website suchen. Überdies kann Google noch mehr, als das Web durchwühlen – etwa rechnen oder griffige Definitionen ausspucken. Und geschicktes Browserhandling hilft weiter dabei, schnell die Information zu finden, was man sucht.
Nun muss ich nicht mehr selbst aufschreiben, wie es geht, denn auf der auch sonst sehr amüsanten Website HackCollege (da kriegen Collegestudenten Überlebenstipps – von Singleküche über Prüfungsstressprävention bis zu Feriengepäck-Packtechnik) gibt es die schöne Infografik Get More Out of Google. Ich wage die Prognose: wer diese Tipps bisher noch nicht kannte, sie jetzt lernt und fürderhin nutzt, kann auf die Gesamtlebensdauer gerechnet 12 Monate Vor-dem-Rechner-sitz-Zeit sparen. Und sei es, um sich anderen prokrastinatorischen Tätigkeiten zu widmen.
Ich kann am besten da arbeiten, wo es nicht so sehr nach “Büro” aussieht. Mir gefallen zum Beispiel diese Gartenschupp…, äh, Worksheds. Ich könnte mir auch vorstellen, in so einem umgebauten Zirkuswagen zu arbeiten oder auf einem Hausboot (habe schon mal kurzzeitig auf einem gewohnt und als alte Seglerin hab ich eh einen Bezug zu allem, was wässrig ist und ein bißchen schaukelt). Und es gibt noch eine Menge anderer Orte, die ich inspirierend und toll finde. Wie zum Beispiel das hier:
Die Cartoonistin und Illustratorin Wendy McNaughton hat diesen Workplace für eine Designmesse entworfen. Ganz schön viel Sperrholz [1], aber ich mag den Humor, den Möbelmix, die kreative Athmosphäre und den Werkstattcharakter.
Und nun würde mich aber interessieren: Wie sieht euer idealer Arbeitsplatz aus? Schickt Fotos, Links, Wortbeiträge und Zeichnungen!
Wusstet Ihr schon, dass Brian Eno mit vollem Namen Brian Peter George St. John le Baptiste de la Salle Eno heißt? Ich nicht. (Und beende jetzt meinen Musikforschungsabend vor dem Computer auch.)
Hier publiziert am 16. September 2011 | Schlagwort(e):Musik | 4 Kommentare »
Der Film heißt “Stich der Tarantel” und ist von Andreas Weberg, die Musik ist von (unverkennbar) Burnt Friedman. Ich mag beides! Mehr über das Projekt kann man hier lesen.
Ich habe grade herausgefunden, dass Burnt Friedman auch recht ausführlich mit Jaki Liebezeit (“Jaki spielt wie eine Maschine. Bloß besser”) zusammengearbeitet hat. Hier sieht man den Helden bei der Arbeit. Welche Freude!
Ein interessantes Interview mit Liebezeit über seine Zusammenarbeit mit Friedman(n) findet sich bei der Spex.
Schreiben ist körperlich nicht so fordernd wie die Arbeit in Bergwerken oder auf seegehenden Schiffen. Doch bestimmte Körperpraxen befördern das Denken und Schreiben: Es ist von vielen Schriftstellern bekannt, dass sie eigene Rituale und Regeln für Speise, Schlaf und sozialen Umgang haben, um überhaupt schreiben zu können. Askese gehört oft dazu. Es scheint, dass es sich leicht hungrig, leicht müde oder leicht frierend besser schreibt als wenn alle körperlichen Bedürfnisse gestillt sind. Die Illustratorin Wendy MacNaughton hat recherchiert und aufgezeichnet, was berühmte Schriftsteller bei der Arbeit so aßen und essen. Im NYTimes-Blog kann mans nachlesen. Interessant! Tief im Schreibprozess steckend verlangt der Körper oft ganz besondere Speise. Essen, das wenig ablenkt (langwierige Zubereitung ist zu vermeiden, außer man lässt kochen); immer gleiches Essen, dessen Verzehr ritualhaft wirkt (um sich in Schreiblaune zu bringen); Essen, das den Organismus nicht belastet (Plenus venter non studet libenter ← humanistische Bildung vortäuschen mit Google); Essen, dessen Verzehr motorisch herausfordernd ist, um überschüssige Energie abzubauen (nag, nag, nag).
PS: Was esst ihr so, wenn ihr bis zum Kragen in konzentrierter Schreib(tisch)arbeit stecktt?
Und textanfall ist mein Text-Schaufenster, Experimentierfeld und Werkstattbericht. Hier gibt's bereits Veröffentlichtes und neue Themen. Tipps zum Handwerk und interessante Fundstücke aus dem Netz und dem Leben. Kurz: Dinge, die mich interessieren. Und hoffentlich auch die gewogenen Blogbesucher.